Weintipps für Neugierige

_MG_1411Klar, man kann immer die gleichen Weine trinken. Das bewahrt vor unliebsamen Überraschungen. Genauso wie man die Lektüre auf ein paar Bestseller-Autoren, die Mahlzeiten auf wenige ausgesuchte Gerichte und die Urlaubsreisen auf ein, zwei vertraute Orte beschränken kann. Es ist wahrlich nicht Schlechtes daran, mit immer wieder denselben Dingen großes Vergnügen zu erleben. Wer jedoch die wohlbekannte Welt von Chardonnay und Cabernet Sauvignon mal hinter sich lassen will, kann mit den nachfolgenden Empfehlungen eine wenig bekannte Welt entdecken.[Weiterlesen …]

Das Wichtigste für einen selbstbewussten Umgang mit Wein

_MG_1627Die Weinwelt von heute ist bunt, attraktiv und faszinierend schön, aber auch verstörend komplex und manchmal überfordernd. Es ist nicht leicht, sich hier auf Anhieb zurechtzufinden, Etiketten zu dechiffrieren, Qualitäten zu unterscheiden, Preisdifferenzen nachzuvollziehen und im Dickicht der Angebote die passenden Kaufentscheidungen zu treffen.

Noch mal die Schulbank drücken?

Mitnichten! Du musst keine mehrjährige Ausbildung absolvieren, um dem Wein näher zu kommen und beim Öffnen und Servieren einer Flasche Spaß zu haben. Du musst auch nicht die Details der Weinbereitung, die Vielzahl der verwendeten Rebsorten und die kleinklimatischen Bedingungen unzähliger Weinbergslagen studieren. Um Freude an einem Glas Wein zu empfinden, ist all dieses Expertenwissen nicht erforderlich.[Weiterlesen …]

Wein oder Weinschorle im Sommer

IMG_0810Der Sommer steht vor der Tür. Und schon taucht in meinen Seminaren die Frage auf, ob es sich bei hochsommerlichen Temperaturen überhaupt empfiehlt, am Abend ein Gläschen Wein zu genießen. Warum eigentlich nicht? frage ich zurück.

Ja, Lust hätte ich schon, melden sich dann die Bedenkenträger, aber wird denn der Wein nicht sehr schnell zu warm? Das ist ein wirklich gutes Argument. Der Einfluss der Servier- und Trinktemperatur auf den Geschmack des Weins kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Deshalb hier zunächst einmal die wichtigsten Regeln für die Trinktemperatur im Überblick:

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Beaujolais – Winzer, Weine und Bezugsquellen

Richard Rottier

Beaujolais-Winzer Richard Rottier

Beaujolais ist der am meisten unterschätzte Rotwein Frankreichs. In diesem Beitrag will ich Dich mit den besten Weinen und Produzenten des Beaujolais-Gebietes vertraut machen und Dir sagen, wo Du diese Weine in Deutschland bequem einkaufen kannst. Wenn Du einige dieser wirklich exzellenten Vertreter getrunken hast, wirst Du den Beaujolais ganz sicher nicht mehr mit den fragwürdigen Primeur-Qualitäten in Verbindung bringen. Noch immer machen leider insbesondere die anspruchsvolleren Weintrinker einen großen Bogen um diese fröhlichen, unkomplizierten und ungemein trinkigen, aber alles in allem reputationsarmen Weine. Man spricht ihnen Feinheit und Seriosität ab und moniert, dass sie in Punkto Kraft und Intensität den anderen französischen Rotweinen das Wasser bei weitem nicht reichen können. Liebhabern saftiger, leichtgängiger Gewächse, die das Subtile und Elegante geschmacklicher Konzentration und mundfüllender Dichte vorziehen, können die besten Vertreter jedoch ungemein viel Trinkfreude bescheren. Es sind wahre Schätze, die noch immer unter Wert angeboten werden.

Beaujolais-Primeur ist nur ein Teil der Wahrheit

Na klar, der im südlichen Burgund zwischen Macon und Lyon beheimatete und aus der Rebsorte Gamay gekelterte Beaujolais tritt nicht in der Schwergewichtsklasse an. Er befriedigt weder die optischen Bedürfnisse nach dunkelroter, dichter Farbe noch nach Körperreichtum und hohem Alkoholgehalt. Das allein wäre aber sicher noch kein Grund, ihn zu diskreditieren und mit Mißachtung zu bestrafen. Sein verkorkstes Image hat er vielmehr seiner kommerziell erfolgreichsten Variante, dem Beaujolais „Primeur“ oder Nouveau“ zu verdanken, der jedes Jahr am dritten Donnerstag im November mit viel Getöse als gerade abgefüllter Jungwein die Marktplätze der ganzen Welt erobert. Die Qualitäten dieses ehemaligen Lifestyle-Produktes waren nie besonders ansprechend, doch seit die Primeur-Abfüllungen in die Fänge der Discounter geraten sind, ist die Qualität vollends unter die Räder gekommen. Mittlerweile sind auch die Absatzmengen dramatisch geschrumpft und weite Teile des Gebietes in eine Krise geraten.[Weiterlesen …]

Weinqualität – die Stärken der Leisen und Unaufdringlichen

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Ich hatte Euch versprochen, das komplexe Phänomen der Weinqualität weiter aufzudröseln. In diesem letzten Beitrag zum Thema will ich eine Positivliste herausarbeiten, nachvollziehbare Kriterien, die jeder für sich selbst anwenden kann, um jenseits persönlicher Vorlieben zu einem – nicht mehr ausschließlich subjektiven – Qualitätsurteil zu kommen. Ich verstehe das als Diskussionsangebot, offen für Wertungen und dynamisch für Weiterentwicklungen.

Balance

Harmonie und Balance bilden die Bühne, um Glanz und Schönheit zur Schau zu stellen. Will ein Wein besondere Qualitätsansprüche für sich reklamieren, muss er sich zuallererst die Frage gefallen lassen: Präsentiert er sich harmonisch, d.h. spielen Duft, Geschmack und Mundgefühl stimmig zusammen? Während das quantitative Zusammenspiel dieser Merkmale vor allem Aussagen über die Stilistik eines Weines zulässt (trocken oder süß, säurebetont oder säurearm, leicht oder schwer), lassen sich Güteaussagen allein auf der Basis der Qualität dieses Teamworking machen. Je harmonischer das Zusammenspiel der Elemente ist, desto besser können die eigentlich schönen Seiten eines Weines zur Geltung kommen. Dann können wir unsere ganze Aufmerksamkeit voll auf diese konzentrieren und werden nicht von Unstimmigkeiten welcher Art auch immer abgelenkt. Die Bühne für besondere Begegnungen ist bereitet. Ein balancierter Wein strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, er ist mit sich im Reinen. Aber es gibt kein absolutes Maß, welches das richtige Verhältnis bestimmt. Jeder Wein realisiert seine eigene, ganz persönliche und einmalige Harmonie – seine individuelle Kompositionslogik. Und jeder Genießer, wir alle begegnen dieser Kompositionslogik auf ganz persönliche Art und Weise, mit individuellen Präferenzen und einem ganz eigenen Harmonieideal.

Authentizität

Authentizität meint Echtheit, Unverwechselbarkeit und Ursprungsidentität. Authentischen Weinen merkt man in aller Deutlichkeit an, woher sie kommen. Sie haben eine Heimat, eine Geschichte und sie wurzeln in einem soziokulturellen Kontext. Das zusammen begründet ihre stilistische Originalität. In einer globalisierten, scheinbar grenzenlos gewordenen Welt wird das Originelle, Authentische, Unverwechselbare und Typische auf besondere Art und Weine wertvoll. Gleichzeitig unterliegt es unentwegt der Gefahr, vom Internationalisierungsstrudel und dem Diktat des Massengeschmacks erfasst und in seiner Originalität vernichtet zu werden. Da braucht es Winzer und Kellermeister mit Rückgrat, die den Versuchungen des Massenmarktes und des schnellen Geldes widerstehen, die sich beharrlich weigern, echte Perlen gegen Modeschmuck einzutauschen. Weingeschmack allein spricht vor allem unsere sinnliche Wahrnehmung an, Authentizität hingegen emotionalisiert und dringt zu unseren Herzen vor. Oder in den Worten der bekannten Weinpersönlichkeit Hugh Johnson: »Ich würde sogar einen schlechteren Wein vorziehen, wenn er mehr zu sagen hätte.«

Komplexität und Tiefe

Komplexität beschreibt das qualitativ obere Ende einer Bewertungsskala, die mit einfach, eindimensional und banal begonnen hat. Im Wein meint sie das komplexe, vielschichtige Zusammenspiel einer großen Vielfalt an Duft- und Geschmacksnuancen. Komplexe Weine haben eine Tiefe, die oft nicht leicht zu ergründen ist. Nicht selten wirken sie verschlossen und introvertiert und schwer zugänglich. Den Zugang scheinen sie nur denjenigen zu gewähren, die sich um sie bemühen, die eine gewisse Begegnungsarbeit nicht scheuen. Dann allerdings halten sie Schätze bereit.

Persistenz

Wenn man von einem Wein sagt, dass er »persistent« oder »lang« ist, so heißt das vor allem, dass man viel von ihm hat, dass also die Wirkungen, die er entfaltet, von großer Ausstrahlung sind. Keineswegs ist damit Intensität gemeint. Die besten Weine sind jene, die unaufhörlich flüstern.

Anmut und Eleganz

Zu Anmut und Eleganz gehören Ungekünsteltheit, Nonchalance und Leichtigkeit. Nur einer kleinen Minderheit unter den Weinen sind diese Privilegien vergönnt. Anmutige und elegante Weine entfalten gleich bei der ersten Begegnung einen wundervollen Zauber, sie wirken leichtfüßig, charmant und taktvoll zurückhaltend. Selbst wenn ihnen eine große Geschmacksintensität eigen ist, bewahren sie eine angenehm unaufdringliche, leise Art.

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Weinfehler erkennen und reklamieren

WeinkellerIm letzten Beitrag hatte ich versprochen zu erläutern, was echte Weinfehler sind und welche in die Kategorie „eingebildete Weinfehler“ gehören. Die Frage, mit welcher Begründung ein Wein im Restaurant zurückgegeben werden darf, stellt sich natürlich in diesem Zusammenhang auch.

Kellertechnische Entwicklungen und zunehmendes önologisches Know-how haben zwar weltweit dazu beigetragen, Unsauberkeiten und Fehler im Prozess der Weinwerdung weitgehend zu eliminieren, dennoch sind Weinfehler keine Seltenheit. Dabei handelt es sich in der Regel um unschöne Veränderungen in Farbe, Geruch oder Geschmack eines Weines oder seines Ausgangsproduktes (Most oder Maische). Die meisten Weinfehler werden durch chemische und physikalische Vorgänge oder durch Kontamination verursacht.

Rituale im Restaurant

Fehlerhafte Wein können grundsätzlich reklamiert werden. Im Restaurant kontrollieren Sie zunächst, ob es sich um die bestellte Flasche handelt (Name, Jahrgang, etc.). Nach dem Öffnen der Flasche prüfen Sie den Zustand des Korkens. Sollte er komplett durchnässt oder vollkommen ausgetrocknet sein, deutet dies darauf hin, dass Sauerstoff in die Flasche gelangen konnte und der Wein möglicherweise hinüber und ungenießbar ist. Aber selbst wenn Ihnen der Korken problematisch erscheint, geben Sie dem Wein auf jeden Fall eine Chance. Prüfen Sie sodann seinen Duft. Riecht er muffig oder schimmelig, handelt es sich ziemlich sicher um einen Weinfehler.[Weiterlesen …]