Chardonnay – Empfehlungen für einen besseren Überblick

Chardonnay Weinberge von Springfield in SüdafrikaSicher kennst Du Chardonnay, schließlich handelt es sich um die berühmteste Weißweinrebsorte der Welt. Hier im Bildhintergrund siehst Du Chardonnay-Anlagen in Robertson, Südafrika. Aber die Sorte wächst nahezu überall in der Welt und ihre große Bekanntheit verleiht den Weinen, die aus ihr gekeltert werden, einen wohlklingenden, imageträchtigen Markennamen mit hohem Wiedererkennungswert. Aber wusstest Du auch, dass es noch keine dreißig Jahre her ist, dass der Rebsortenname Chardonnay gänzlich unbekannt war. Zwar genoss man in feinen Gesellschaften Chablis und Chassagne, Mersault und Macon, doch die Rebsorte, die sich hinter diesen noblen Herkünften verbarg, blieb im Dunklen. Noch heute ist es in Frankreich – und übrigens auch in Italien, Spanien und Portugal – üblich, einen Wein nach seiner Herkunft zu benennen (Lerne die Weinetiketten verstehen). Und so kommen auch die französischen Weine, die auf Basis der Chardonnay-Traube entstehen, ohne Rebsortenangabe in den Handel. Solltest Du Chardonnay-Weine lieben, dann ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass Du die feinsten französischen Exemplare bislang unentdeckt links liegen gelassen hast. Dafür kennst Du vielleicht Chardonnay-Weine aus anderen Weltgegenden, aus Regionen, die den Namen der Rebsorte prominent auf den Flaschenetiketten positionieren und es Dir einfacher machen, die Weine zu finden, die Dir gefallen. Damit Du einen besseren Überblick bekommst und zumindest die wichtigsten Stile und Herkünfte für interessante Chardonnay-Weine kennst und zuordnen kannst, habe ich hier in diesem Blogpost mal die wichtigsten Informationen zusammengetragen. 

Der Lauf der Monster-Weine ist vorbei

Oder gehörst Du zu denen, die sich aus Chardonnay nichts machen, die die temperamentvolleren Rieslinge und Sauvignon Blancs bevorzugen? Vielleicht geht es Dir aber auch wie mir. Ich habe sie einmal gemocht, bin ihnen aber nicht treu geblieben, weil ich zu vielen Exemplaren begegnet bin, die mich enttäuscht haben. So ist es vielen ergangen. Zu viel Berühmtheit ist nicht immer gut. Unter dem Namen Chardonnay sind so viele einfache und nichtssagende Weine in den Handel gekommen, dass bereits vor ein paar Jahren „ABC – Anything but Chardonnay“ zu einer geflügelten Parole wurde. Binnen weniger Jahre erlebte die Sorte einen enormen Imageverlust. Doch mittlerweile tut sich was. Leise und längst noch nicht von der breiten Öffentlichkeit bemerkt, feiert die Sorte ein Comeback. Klar, noch immer finden sich Exemplare, die mich wenig begeistern. Noch immer treffe ich auf holzbetonte, üppig-konzentrierte Vertreter ohne viel Charakter und Trinkfluss. Doch selbst die Winzer in Australien und Kalifornien, die einstigen Protagonisten eichenholzwürziger Chardonnay-Monster, setzen heute überraschend oft auf Frische, Eleganz und Trinkfreude.

Trinkige Chardonnay auf dem Vormarsch

Überall in der Welt wächst der Ehrgeiz, das große Qualitätspotenzial dieser Sorte endlich wieder zu nutzen und nichts unversucht zu lassen, um Topgewäche auf die Flasche zu füllen: nicht nur trockene Weißweine, sondern auch feine Schaumweine. Das Projekt „Chardonnay“ und alle Anstrengungen, die dafür mobilisiert werden, sind nicht zuletzt deshalb so erfolgsversprechend, weil die Sorte über große Gestaltungsoptionen verfügt. Wie kaum eine andere weiße Traube besitzt Chardonnay eine ungeheure Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Klimazonen, Bodenverhältnisse und Vinifizierungspraktiken. Denn anders als Riesling und Sauvignon Blanc hat die Sorte aus sich heraus keine unverwechselbaren, leicht identifizierbaren Geschmacksmerkmale und so spiegelt sie entweder die Besonderheiten der jeweiligen Entstehungsbedingungen (Klima, Jahrgang, Lage, Boden, Weinbergspflege) oder die kosmetischen Behandlungen durch den Kellermeister unmittelbar wider.

Chardonnay-Stile, die Du kennen solltest

Nutzten die Weinmacher die Gestaltungsoptionen der Chardonnay-Traube lange Zeit, um massenhaft „Kunstweine“ zu erzeugen, bei denen das ganze Spektrum an Techniken und Präparaten der modernen Önologie zum Einsatz kam, scheint das Projekt „Heimatwein“ immer größere Anziehungskraft zu gewinnen. Heimatweine sind Weine, die vor Natürlichkeit und Authentizität nur so strotzen. Weine, denen man mit allen Sinnen anmerkt, dass es Produkte ganz bestimmter Regionen sind, die eine Identität haben und einmalig und unverwechselbar schmecken. Önologische Eingriffe beschränken sich auf das Notwendigste.

Zwei übergeordnete stilistische Chardonnay-Profile solltest Du kennen und voneinander unterscheiden: (1) Weine, deren Geschmacks- und Aromaprofile – mehr oder weniger dezent – von Neuholz geprägt sind, und (2) solche ohne jeden Neuholzeinfluss. Eichenholz- beziehungsweise Barriqueeinflüsse können die Ursprungsidentität eines Weines durchaus unterstützen. Wird dieser Einfluss jedoch übertrieben, kann Ursprungsidentität leicht verloren gehen.

Teil 1: Chardonnay ohne Neuholzeinfluss

Im Falle einfacher Massenprodukte kannst Du Dich beim Chardonnay ohne Neuholzeinfluss auf eine Aschenputtel-Nase einstellen: ausdruckslos und ohne jede erkennbare Aromatik. Kommen sie jedoch aus den Händen seriöser Abfüller, die ihre Rebpflanzen pflegen und Ihnen nicht zu hohe Erträge zumuten, darfst Du sehr viel mehr erwarten. In kühlen Anbaugebieten stellen sich zartduftige Aromen ein, die mal an Äpfel, Birnen und Akazien, mal an Zitrone, Grapefruit und Mais erinnern. Manchmal wirst Du auch Honig- und Butternoten entdecken. Je nach Bodentyp gesellen sich mineralische oder rauchige Komponenten hinzu. Kommt Chardonnay aus warmen Klimazonen, fallen die fruchtigen Aromen in der Regel intensiver aus. Sie werden Dich vor allem an tropische Früchte wie Mango, Passionsfrucht und Ananas, gelegentlich auch an Banane, Melone und Pfirsich erinnern.
Am Gaumen wirst Du die Weine aus kühleren Anbaugebieten meist schlank bis mittelgewichtig erleben. Verantwortlich dafür ist ihre erfrischende, ungemein lebhafte Säure und ein vergleichsweise niedriger Alkoholgehalt. Die Vertreter aus wärmeren Anbaugebieten neigen zu deutlich mehr Fülle und Alkohol und fallen auch schon mal breit, schwerfällig und alkoholreich aus. Die warmen Temperaturen bringen die Zuckerbildung sehr gut und schnell voran, aber zugunsten der Zuckerbildung wird meist so viel Säure verbraucht, dass sie später im Endprodukt fehlt; dann mangelt es dem Wein an Vitalität, Frische und Balance. Chardonnay dieser Art solltest Du auf keinen Fall länger lagern, sondern trinken, solange sie noch die Schönheit ihrer Jugend besitzen.

Französische Chardonnay-Weine außerhalb der berühmten Côte d’Or…

Chardonnay ohne Neuholzeinfluss entsteht kurioserweise vor allem in Frankreich, in dem Land also, wo im Herzen des Burgund an der Côte d’Or Chardonnay mit Neuholzeinfluss seine eigentliche Heimat hat. Aufstrebende Regionen sind hier das Languedoc und die Ardèche. Die klassischen Regionen für solche Weine sind jedoch das Mâconnais im südlichen Burgund und – auf höherem Niveau – Chablis im nördlichen Burgund auf halber Strecke zwischen Paris und Dijon.
Das Languedoc zählt zu den französischen Gebieten, die ihren Bestand an Chardonnay-Reben kontinuierlich ausgeweitet haben. Von einfachen Landweinen bis hin zu barriquegeprägten Exemplaren à la Neue Welt trifft man hier auf nahezu die gesamte Palette an Chardonnay-Stilen. Besonders interessante Vertreter kommen aus den kleinen Teilgebieten Pic Saint Loup und Montpeyroux.

…und im Rest der Welt

Italien ist eine weitere Quelle für schmackhaften Chardonnay ohne Neuholzeinfluss. Frische, zugängliche, im Edelstahltank vergorene Weine kommen aus Südtirol, Trentino und Friaul. In Übersee trifft man heute wieder öfter auf Chardonnay, der keine deutlichen Neuholzspuren aufweist. Wenn die Trauben aus kühleren Zonen stammen, können sich die Weine ungemein erfrischend und süffig präsentieren. Vor allem Tasmanien und Neuseeland demonstrieren mit einigen enorm fruchtigen, lebendigen und frischen Chardonnays ihr großes Potenzial für diese Rebsorte.

Meine persönlichen Produzenten-Empfehlungen

Chardonnay aus Frankreich

Mâcon: Domaine Guffens-Heynen, Domaine Bongran, Domaine Bonhomme und die Domaine Talmard; selbst die Abfüllungen der Genossenschaftskellereien in Buxy und Lugny sind enorm zuverlässig
Chablis: William Fèvre, Raveneau, Billaud-Simon, Vincent Dauvissat, Jean-Marc Brocard, Patrick Piuze, La Chablisienne
Languedoc: d’Aupilhac, Christian Audigier, Valensac, Les Coteaux du Pic

Chardonnay aus Italien

Südtirol: Lageder, Tiefenbrunner, Elena Walch, Kellerei Terlan
Trentino: Pojer & Sandri
Friaul: Fiegl, Lis Neris, Vie di Romans

Chardonnay aus Spanien

Enate, Vinas del Vero, Miguel Torres, Jean Leon

Chardonnay aus Deutschland

Sven Leiner, Alexander Laible

Chardonnay aus Australien

Constable & Hershon, Chapel Hill, Shaw & Smith, Browns, Goundry, Plantagenet

Chardonnay aus Tasmanien

Iron Pot Bay Wines, Tamar Ridge Wines

Chardonnay aus Neuseeland

Craggy Range, Vavasour

Chardonnay aus Kalifornien

Fetzer

Chardonnay aus Chile

Viña Casablanca, Apaltagua

Chardonnay aus Südafrika

Springfield, Chamonix, De Wetshof, Glenelly

Empfehlungen zum Weiterprobieren

Weine aus den Rebsorten Weißburgunder, Auxerrois und Grauburgunder liegen stilistisch am nächsten am Chardonnay dran.

Chardonnay zum Essen: meine Empfehlungen für Dich

Hühnchen, helles Fleisch, einfache Fischgerichte, Austern, Fischsuppe, Gemüselasagne, Wiener Schnitzel, geschmortes Kaninchen, Pilzgerichte

In ein paar Tagen schalte ich Dir den 2. Teil dieses Beitrags frei. Darin geht es dann um Chardonnay mit Neuholzeinfluss.

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