Das Wichtigste für einen selbstbewussten Umgang mit Wein

_MG_1627Die Weinwelt von heute ist bunt, attraktiv und faszinierend schön, aber auch verstörend komplex und manchmal überfordernd. Es ist nicht leicht, sich hier auf Anhieb zurechtzufinden, Etiketten zu dechiffrieren, Qualitäten zu unterscheiden, Preisdifferenzen nachzuvollziehen und im Dickicht der Angebote die passenden Kaufentscheidungen zu treffen.

Noch mal die Schulbank drücken?

Mitnichten! Du musst keine mehrjährige Ausbildung absolvieren, um dem Wein näher zu kommen und beim Öffnen und Servieren einer Flasche Spaß zu haben. Du musst auch nicht die Details der Weinbereitung, die Vielzahl der verwendeten Rebsorten und die kleinklimatischen Bedingungen unzähliger Weinbergslagen studieren. Um Freude an einem Glas Wein zu empfinden, ist all dieses Expertenwissen nicht erforderlich.

Wenn Du nur einige wenige Dinge beachtest, wirst Du in kürzester Zeit große Fortschritte machen. Du wirst Wein überlegter auswählen, zuversichtlicher einkaufen und souveräner servieren. Vor allem aber wirst Du Schluck für Schluck bewusster, zugewandter und entspannter genießen. Und sicher wirst Du überrascht sein, wie viele Menschen in Deinem Umfeld Dich bewundern, ja vielleicht sogar beneiden werden, wenn sie beobachten, wie authentisch und gekonnt Du Wein in Szene setzt.

Hierzulande ist leider immer noch jede Menge spießige Engstirnigkeit im Umlauf. Sie behindert den lockeren Zugang zum Wein mehr, als dass sie ihn fördert. Deshalb will ich zunächst ein paar Dinge ins rechte Licht rücken, die vielleicht auch Deine inneren Einstellungen und Annahmen zum Wein neu justieren.

Mach Dich frei

Mach Dich frei von Erwartungen und Konventionen, vertraue dem eigenen Geschmack, egal was Experten, Möchtegern-Weinkenner, Chefs und Kollegen dazu sagen.
– Du musst einen Wein nicht mögen, bloß weil andere ihn mögen.
– Du musst einen Wein auch nicht deshalb mögen, weil er teuer war oder ein bekannter Experte ihn in den Himmel gelobt hat.
– Du musst in einem Wein nicht dieselben Aromen riechen und dieselben Dinge schmecken, die andere riechen und schmecken. Jeder hat in Geschmacksfragen persönliche Vorlieben. Das ist beim Wein nicht anders wie auf den Feldern der Kunst, Musik und Literatur.
– Wirf diesen Ballast ab und mach Dich locker, sei authentisch und begegne einem Wein auf Deine Art. Umso besser Dir das gelingt, desto leichter kannst Du Dich von einem Wein berühren und verzaubern lassen.

Sei offen…

Begegne einem Wein offen, unvoreingenommen und tolerant. Sei neugierig und mach Dich frei von allen inneren Beschränkungen. Schicke Vorurteile in die Wüste und gib jedem Wein eine zweite Chance, Dich zu begeistern. Bedenke, dass es nicht immer am Wein liegen muss, wenn er Dir nicht gefällt. Stimmungen, Orte, Menschen, Speisen und vieles mehr beeinflussen die Begegnungen. Und beim nächsten Mal kann alles schon wieder ganz anders sein.

…und lösche unbrauchbare Programme

Lösche Programme, die Dich behindern, offen und vorurteilsfrei zu sein. Hier ein paar Beispiele für Programme, die sich hartnäckig in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt haben:
– Wein muss atmen
– Rotwein trinkt man bei Zimmertemperatur
– Süßweine taugen nichts
– Riesling ist sauer
– dunkle Rotweine kratzen
– helle Rotweine können nicht gut sein
– Schraubverschlüsse deuten auf niedrige Qualitäten hin
– Wein wird mit zunehmendem Alter besser

Sei aufmerksam…

Begegne einem Wein aufmerksam: Versetze Deine Sinne in Alarmbereitschaft und schau, rieche, schmecke und fühle genau hin; lasse alle Wahrnehmungskanäle zum Zuge kommen und erlaube Dir zu staunen. Wenn Du Worte findest, die Deine Eindrücke beschreiben, ist das toll und ich möchte Dich ausdrücklich dazu ermutigen. Aber das ist nicht notwendig, schon gar nicht zu Beginn. Nimm Dir Zeit und gib dem Wein alle Chancen, Dich zu begeistern. Vielleicht fallen Dir die passenden Worte erst später ein.

…und liebevoll

Behandle Wein liebevoll und setze ihn schön in Szene. Quäle ihn nicht durch lieblose Lagerung, schmälere seine Schönheit nicht dadurch, dass Du ihn zu kalt oder zu warm oder in unpassenden Gläsern servierst. Und achte auf den Kontext! Mute ihm weder stinkende Räume noch geschmacklose Zeitgenossen zu.

_MG_1183Was Du noch wissen solltest

Gar nicht sehr viel! Wissen kann den Genuss durchaus mehren, aber es ist keine Voraussetzung. Du kannst auch Musik genießen, ohne etwas davon zu verstehen. Wenn Du Dich aber mit dem Musiker, seinen Techniken und Botschaften vertraut gemacht hast, kann es passieren, dass Du mit anderen Ohren hörst. Diese Erfahrung habe ich auf dem Feld der Musik gemacht und ich habe sie auch beim Wein gemacht. Aber nochmal: Weingenuss verlangt kein spezielles Wissen!

1.  Lerne die Weinetiketten verstehen

Allein aufgrund des Preises oder der Ästhetik der Etikettengestaltung einen Wein zu wählen ist riskant. Deshalb rate ich Dir, Dich zumindest mit den wichtigsten Informationen der Flaschenetiketten zu beschäftigen, sonst bleibt jeder Kauf reine Lotterie. Du kannst Dir nur dann eine realistische Vorstellung vom Flascheninhalt machen, wenn Du das Groß- und Kleingedruckte der Etiketten und Preisschilder kapierst und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden kannst.

2. Personalausweis des Weins: Name, Geburtsort, Geburtsdatum

Die Flaschenetiketten geben vor, der Personalausweis des Weins zu sein. Während jedoch das Design große gestalterische Spielräume lässt, sind die Informationen, die ein Etikett enthalten muss, vor allem in Europa bis ins Detail geregelt.

Die aufschlussreichsten Hinweise über den Flascheninhalt verbergen sich hinter den Namen von Wein und Produzent. Aber auch die gesetzlichen Qualitätseinstufungen und die Jahrgangsangaben enthalten wertvolle Hinweise. Alle anderen Informationen sind dagegen in ihrer Bedeutung zweitrangig.

3. Prinzipien der Namensgebung

Für die Namensgebung eines Weines kommen drei verschiedene Ansätze zum Einsatz:

  1. die Heimat des Weines
  2. die Rebsorte, aus der er gemacht ist
  3. ein Marken- oder Phantasiename

Während Marken- und Phantasienamen in der Regel auf einfache, aber stets gleich bleibende Qualitäten hindeuten, weist die Angabe von Ursprungsgebiet und Rebsorte den Weg zu den interessanteren Weinen. Mit etwas Erfahrung lässt sich sehr viel über einen Wein sagen, wenn Sie wissen, woher er kommt und aus welcher Rebsorte er gemacht ist. Fragen der Qualität werden damit jedoch nur indirekt berührt. Manche Regionen und Rebsorten haben zwar gute Voraussetzungen, exzellente Qualitäten hervorzubringen, doch das gelingt längst nicht in allen Fällen. Riesling kann genial, aber auch ganz fürchterlich schmecken. Bordeaux in Discountqualität schmeichelt selten dem Gaumen, die Premiumvertreter sind Weltklasse.

Geografische Namen…

Übrigens: Die meisten europäischen Länder ziehen einen geographischen Namen vor: zum Beispiel Bordeaux (Frankreich), Chianti (Italien), Rioja (Spanien), Douro (Portugal), Tokaj (Ungarn). Das liegt daran, dass diese Regionen einen typischen, historisch gewachsenen und territorial abgrenzbaren Weinstil hervorbringen. Je kleiner die Gebiete gefasst sind, desto homogener und hochwertiger ist in der Regel die Qualität der Weine.

Dazu ein Beispiel: Ein einfacher Rhône-Wein wird unter der geografisch weit gefassten Bezeichnung „Côte du Rhône“ vermarktet, etwas besserer entsteht in den Teilgebieten mit der Bezeichnung „Côte-du-Rhône Villages“. Die besten Rhône-Weine kommen jedoch aus jenen kleinen Teilgebieten, denen es erlaubt ist, ihren Weinen den Namen der Gemeinde zu geben, auf dessen Grund und Boden die Trauben gewachsen sind (zum Beispiel Châteauneuf-du-Pape, Gigondas, Hermitage). Auch die besten Bordeaux-Weine kommen aus den geografisch kleinsten Gebieten, zum Beispiel aus Margaux, Pauillac oder Saint-Estèphe, drei Teilgebieten des Haut-Médoc. Das Haut-Médoc ist Teil des Médoc, und dieses wiederum Teil des Großraums Bordeaux, die Bezeichnung für die einfachsten Weine des Gebietes.

… und wie Du sie erkennst

Woran erkennst Du nun, bei welcher Angabe auf dem Etikett es sich um geografischen Namen handelt? Ganz einfach: Auf den Gebietsnamen (z.B. Bordeaux, Rioja, Chianti…) folgt immer der Begriff für die geschützten Ursprungsbezeichnungen:

  • Appellation d’Origine Contrôlée (AOC) in Frankreich
  • Denominazione di Origine Controllata (DOC) und Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG) in Italien
  • Denominación de Origen (D.O.) und Denominación de Origen Calificada (D.O.Ca) in Spanien
  • Denominação de Origem Controlada (DOC) in Portugal
  • Onomasia Proléfseos Anoteras Piótitos (OPAP) in Griechenland.

Rebsortennamen…

Rebsortennamen (zum Beispiel Riesling, Chardonnay, Spätburgunder) werden in der ganzen Welt verwendet: in den romanischen Ländern überwiegend für einfache Weine, in den deutschsprachigen Ländern und in den meisten Überseeregionen auch für hochwertige Abfüllungen. Für diese Art der Bezeichnung spricht, dass die Rebsorte die geschmackliche Handschrift eines Weines sehr stark prägt. Riesling schmeckt immer anders als Sauvignon Blanc, ganz gleich, wo in der Welt die Trauben reif geworden sind. Da weltweit nur etwa ein Dutzend Rebsorten die Szenerie bestimmen, bleibt die Zahl der Varietäten, deren Namen man sich für einen guten Überblick merken sollte, überschaubar. Zwar wird zusätzlich – meist in kleineren Buchstaben – auch noch die Herkunft angegeben, aber die Rebsorte wird in all den Fällen, in denen kein Appellationsname verwendet wird, an prominentester Stelle auf dem Etikett platziert.

…und ihre Problematik

Das Angebot ist im Falle der beliebtesten Sorten so riesig und auch qualitativ so heterogen, dass Du Zusatzinformationen benötigst, um eine verlässliche Kaufentscheidung treffen zu können. Der Hinweis auf die Herkunft kann helfen, wenn Du weißt, dass es sich um ein qualitativ überdurchschnittliches Anbaugebiet handelt. Noch aussagekräftiger ist der Name des Produzenten. Wie überall im Leben sind es auch in der Weinproduktion mal gute, ambitionierte und begnadete Menschen am Werk, ein andermal untalentierte Stümper und Dilettanten.

4. Allein der Winzer steht für Qualität

Für die Qualität eines Weines steht letztlich allein der Name des Produzenten. Sein Können und Engagement in Weinberg und Keller entscheiden darüber, ob Du einen einfachen, guten oder erstklassigen Riesling oder Bordeaux in Händen hältst. Deshalb ist es ratsam, sich die Namen der seriösen und zuverlässigen Produzenten fest ins Gedächtnis einzuprägen – so wie es auch ratsam ist, die Namen der guten Interpreten zu kennen, wenn Du Mozart in vollen Zügen genießen willst. Notiere Dir den Namen des Weingutes, wann immer Du einen bemerkenswerten Wein im Glas hast. Und wenn Du selbst noch wenig Erfahrung hast, nutze die Empfehlungen von weininteressierten Freunden oder blättere mal einen der vielen Weinführer durch, für deutsche Weine zum Beispiel den Gault Millau oder den Eichelmann, für die ganze Welt in knapper Form den Kleinen Johnson. Mein Buch „Die 100 besten Weine der Welt“ ist eine Fundgrube für Namen seriöser Produzenten rund um den Globus.

5. Jahrgangsangaben: das Salz in der Suppe

Weine, die eine Jahrgangsangabe tragen, zeigen von Jahr zu Jahr ein verändertes Gesicht. Weil das Wetter und damit die Reifungsbedingungen variieren, kann auch der Geschmack von Trauben und Wein nicht identisch bleiben. Deshalb wird überall in der Welt im Herbst dieselbe Frage gestellt: Wie war der Jahrgang? Das macht die Weinwelt so lebendig und einzigartig. Natürlich kommt es immer auch mal vor, dass die Ernte klein oder in der Qualität unterdurchschnittlich ausfällt. Was Du wissen solltest:

  • Je ambitionierter und qualitätsorientierter ein Produzent arbeitet, desto besser werden seine Weine auch in sogenannten „kleinen“ Jahrgängen ausfallen.
  • In „kleinen“ Jahrgängen entstehen vor allem Weine, die früh trinkbar, aber nicht alterungsfähig sind.
  • In „großen“ Jahrgängen hingegen entstehen Weine, die zwar (speziell im Segment der schweren Rotweine) sehr alterungsfähig, dafür aber selten früh trinkbar sind.
  • Weine, die in riesigen Mengen und mit den Trauben sehr vieler verschiedener Weinberge produziert werden, weisen kaum Jahrgangsschwankungen auf, aber ihre Qualität ist bestenfalls mittelmäßig.

Fazit

Wein ist sicher kein einfaches Produkt und es soll hier auch gar nicht der Eindruck erweckt werden, der Zugang sei spielend und im Nu zu bekommen. Die Vielfalt der Angebote ist riesig, die Flaschenetiketten sind leicht zu verstehen und die gängigen Weinbeschreibungen irritierend. Aber solltest Du deshalb den Freuden, die der Wein bereithält, entsagen?

Ich sage darauf: Mache es Dir gemütlich und genieße entspannt ein Gläschen Wein. Verschwende keine Gedanken daran, was Du weißt und was Du nicht weißt. Schere Dich nicht darum, was Du riechen und schmecken solltest. Tagträume einfach und überlasse Dich Deinen inneren Bildern und Empfindungen. Lass‘ Dich berühren und vielleicht ein wenig fortragen. Selbst wenn mehr in einem Wein steckt, als Du auf Anhieb erkennst, bleibt der Genuss eines Gläschens doch ein ganz wundervolles Erlebnis – und das ist der eigentliche Daseinszweck eines jeden Weins.

Auf jeden Fall tust Du gut daran, einen entspannten, genussorientierten Umgang mit Wein zu pflegen. Darüber hinaus kann es natürlich überaus nützlich sein, Dich ein wenig mit der Weinwelt vertraut zu machen, die wichtigsten Weinstile unterscheiden zu lernen und das Handling zu verfeinern. Denn dann wirst Du Dich beim Einkaufen, als Gastgeber und bei Geschäftsessen noch wohler fühlen und den Winetalk mit Freunden und Kollegen angenehmer gestalten. Ich werde in den nächsten Monaten spezielle Angebote entwickeln, die Dir helfen, einen souveräneren und befriedigenderen Umgang mit Wein zu finden. Versprochen: Du bekommst alles, was Du auf Deinem Weg zu mehr Weinkompetenz brauchst.

Trage bitte Deine Email-Adresse unten oder rechts oben in das Feld ein, wenn Du über die Entwicklung und den Programmstart informiert werden möchtest.

Kommentare

  1. Eckard Schenda meint:

    Hallo Wolfgang,
    schöner Beitrag, der leicht in den Kopf geht und mit den tollen Tipps einen guten Start in die Weinwelt ermöglicht!
    Habe mich vor etwas mehr als nem Jahr nur mit selten getrunkenem einfachen und jungen Dornfelder in die weite Weinwelt getraut und die erste Frage war natürlich: Was ist guter Wein?
    Muß der teuer sein? Wie komme ich dazu ohne mich blind auf einen Weinhändler verlassen zu müssen? Muß ich unzähligen Wein trinken, der den Weg in den Ausguss findet?

    Was viel geholfen hat, war anhand eines Weinführers Weine auszusuchen und vielleicht auch Verkostungspakete dieser Weinführer mit zu nehmen um einfach mal verschiedene als gut geltende Weine zu probieren! Wenn man sich dann, wie ich, mitreissen lässt, bekommt man eine leichte Ahnung, wie es mit Weinen wirklich ist! Die Unterscheidung in gut und schlecht ist irgendwann nicht mehr die interessante, da man nach einiger Zeit kaum mehr richtig schlechten trinkt, eher mal einen verkorkten oder einen, der nicht so „fließt“ aber sehr viele interessante Weine und einige richtig tolle!

    Den Weinführer hat man dabei später immer weniger im Gepäck und verlässt sich dann irgendwann mehr auf die gemachten Erfahrungen, das eigene Gefühl bzw. die von Dir geschilderten Angaben auf der Flasche, der Rebsorte, Region etc., bzw. die im Kopf gespeicherten besonders guten Winzer. Dann trinkt man und vielleicht schaut man dann irgendwann, ob der Weinführer zu dem Wein etwas ausspuckt! Und bei einem guten Wein, der besonders geflasht hat finde ich es sogar immer cool, wenn der noch nicht durch den Weinführer „entdeckt“ wurde.
    Die „100 besten Weine“ interessieren mich natürlich, auch, ob etwas von den lieb gewonnen Weinen dabei ist, auch wenn ich eine Rangliste da immer augenzwinkernd sehe. Für mich ist es eher so, dass bei den Weinen viele Nebeneinander stehen, als drüber und drunter!
    Und was man allen wirklich mitteilen kann ist das guter Wein tatsächlich nicht teuer sein muß!
    Was aber nicht heißen soll, dass man sich nicht den ein oder anderen Wein ruhig mal gönnen sollte, der zum Teil auch einiges mehr kostet! Bei manchen lohnt es sich durchaus!
    Gruß von Eckard

    • Hallo Eckard,
      Vielen Dank für Deinen sehr interessanten Erfahrungsbericht. Als ich anfing, mich für Wein zu interessieren, habe ich es genauso gemacht wie Du. Und dann trifft man in der Tat immer seltener auf wirklich schlechte Weine. Ich hab wie Du ganz bald gemerkt, dass die eigentliche Würze in der großen stilistischen Vielfalt liegt. Genau das motiviert ja dann zum Experimentieren, zu immer wieder neuen Begegnungen. Noch heute trinke ich selten mal einen Wein öfter innerhalb eines halben Jahres. Ich bin einfach zu neugierig. Mein Buch „Die 100 besten Weine der Welt“ ist – ganz entgegen dem Titel – keine Rangliste der besten Weine der Welt. Es handelt sich vielmehr um 100 Porträt der aus meiner Sicht interessantesten Gattungsweine oder Ursprungsweine weltweit. Portraitiert werden also nicht singuläre Weine eines Winzers aus einem bestimmten Jahr – wie das in den meisten Weinführern der Fall ist -, sondern der Brunelli di Montalcino, der Rioja, der Chablis… Und für jeden dieser Weine arbeite ich die stilistischen Besonderheiten heraus, also Aussehen, Duft, Geschmack und Haptik und erkläre die Entstehungskontexte, also Klima, Böden, Kellertechnik… Schau doch einfach mal rein! Neugierig sein lohnt beim Wein sehr, wenngleich sich immer mal wieder die ein oder andere Enttäuschung einschleichen wird. Aber auch das kann eine durchaus interessante Erfahrung sein…
      Lieber Eckard, nochmals vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
      Viele Grüße,
      Wolfgang

  2. Volker Trede meint:

    Hallo Wolfgang,

    sehr schöner Beitrag. Ergänzend würde ich noch eine positive Neugierde mit aufnehmen. Es gibt viele Leute (ich eingeschlossen), die immer den selben (gleichen) Wein trinken und niemals etwas anderes ausprobieren. Dabei gibt es tausende Varianten mit überraschenden Ergebnissen. Ich habe zB letzte Woche anstatt eines australischen Shiraz (mein Lieblingswein) einfach einen italienischen Aglianico bestellt. Es fiel mir sehr schwer, doch das Erlebnis war es wert. Der Wein war einfach sensationell und wird nun zu meinen Kellerbeständen hinzugefügt. Aber vielleicht fällt das auch unter die gelöschten Programme? Anway, keep writing, sehr informativ (auch wenn ich persönlich momentan gerade eine deiner Empfehlungen umgehe und wieder die Schulbank drücke für mein WSET Diploma in Wine…)
    Gruss aus Sydney, Volker

    • Hallo Volker,
      wow, Du lebst in Sydney, eine der schönsten Städte, die ich je besucht habe. Du hast absolut recht: Neugierde und Offenheit finde ich klasse! Die Weinwelt hält so ungeheuer viele Optionen bereit, dass es aus meiner Sicht ungemein schade ist, immer dieselben Flaschen zu öffnen. Lieber etwas riskieren als sich langweilen. Kennst Du die Weine aus dem französischen Jura? Oder die von der griechischen Insel Santorin? Vielleicht schreibe ich heute Abend mal dazu einen kleinen Beitrag. Für Dein Diploma-Projekt wünsche ich Dir viel Spaß und im Ergebnis auch Erfolg. Berichte doch mal! Für mich war es eine schöne Zeit. Viele Grüße nach Sydney, Wolfgang

  3. Liederbach Edith meint:

    Hallo Wolfgang, ein sehr gelungener Beitrag.
    Wie immer informativ, und gut „rübergebracht“
    Zu dem Beitrag : und lösche unbrauchbare Programme, würde ich mich über eine kurze detaillierte Erläuterung freuen.
    Schön ist es in Kontakt zu bleiben, egal in welcher Weise.
    Liebe Grüße, Edith.

    • Hallo Edith, herzlichen Dank für Deinen Kommentar und das schöne Feedback. Mit dem Begriff „Programm“ spiele ich auf die Analogie zu Computerprogrammen an. Da gibt es ja auch alte, überholte und nutzlose Programme und solche, die einem das Leben wirklich sehr erleichtern. Im Grunde meine ich nicht anderes als Einstellungen, Haltungen und Überzeugungen, die man irgendwann einmal übernommen hat. In vielen Fällen stecken da auch Vorurteile drin. Ich erlebe immer wieder, dass diese Dinge die Menschen behindern, einem Wein unvoreingenommen zu begegnen. Ich habe ja im Text ein paar Beispiele gegeben. Solange z.B. das Programm „Nur die einfachsten Weine werden mit Schraubverschlüssen verschlossen“ läuft, neigt man intuitiv dazu, den Inhalt entsprechender Flaschen zu unterschätzen. Hilft diese Erklärung weiter? Liebe Grüße vom Wolfgang

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