Wein oder Weinschorle im Sommer

IMG_0810Der Sommer steht vor der Tür. Und schon taucht in meinen Seminaren die Frage auf, ob es sich bei hochsommerlichen Temperaturen überhaupt empfiehlt, am Abend ein Gläschen Wein zu genießen. Warum eigentlich nicht? frage ich zurück.

Ja, Lust hätte ich schon, melden sich dann die Bedenkenträger, aber wird denn der Wein nicht sehr schnell zu warm? Das ist ein wirklich gutes Argument. Der Einfluss der Servier- und Trinktemperatur auf den Geschmack des Weins kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Deshalb hier zunächst einmal die wichtigsten Regeln für die Trinktemperatur im Überblick:

Trinktemperaturen beim Wein

Champagner und Sekt: 7 bis 8° C
leichte, fruchtbetonte Weißweine: 9 bis 11° C
ausdrucksstarke und opulente Weißweine: 11 bis 13° C
leichte und mittelschwere Rotweine: 14 bis 16° C
ausdrucksstarke und kraftvolle Rotweine: 16 bis 18° C
Süßweine: 12 bis 15° C
Sherry und weißer Portwein: 10 bis 12° C
Banyuls und Portwein : 14 bis 17° C

Wein chambrieren

Bei einem Wein, den Du bei 10° C aus dem Keller holst, beträgt die Erwärmung bei Zimmertemperatur etwa ein Grad in drei bis vier Minuten. Im Internet findest Du zahlreiche Angebote, mit deren Hilfe sich die genaue Zeitspanne leicht berechnen lässt, z.B. hier: http://www.barcoo.com/ratgeber/weintemperaturrechner#result

Servier- und Trinktemperatur unterscheiden

Da sich der Wein nach dem Ausschenken in Eurem Glas allmählich erwärmt, solltet Ihr darauf achten, dass die Serviertemperatur unter der Trinktemperatur liegt. Umso wärmer es also auf der Terrasse ist, umso größer sollte die Differenz zwischen Servier- und Trinktemperatur sein. So zumindest die Theorie! Ich persönlich löse das Temperaturproblem, indem ich mir einfach weniger einschenke, dafür öfter nachschenke. Zwischendurch halte ich den Wein – zur Zeit in Eiswasser – auf Serviertemperatur. Bei 30°C auf meiner Terrasse müsste ich einen leichten Weißwein so brutal runterkühlen, dass er mir direkt nach dem Ausschenken zu kalt ist. Ich müsste also zunächst warten, bis er Trinktemperatur erreicht hat. Denn nur dann zeigt er seine ganze Klasse! Nur dann können sich die wichtigsten Inhaltsstoffe (Aroma, Frucht, Säure, Süße, Alkohol) optional entfalten und ausgewogen miteinander in Beziehung treten. Aber schon kurze Zeit später ist er mir zu warm. Also: Weniger einschenken, öfter nachschenken!

Alternative Weinschorle?

Sehr oft höre ich zur Zeit auch den Vorschlag, Weinschorle statt Wein zu trinken. Klar, kann man machen! Besonders wenn der Wein nichts taugt. Meine Sache ist es allerdings nicht. Insbesondere wenn der Wein was taugt. Den erhöhten Flüssigkeitsbedarf stille ich mit Wasser, aber pur, unverdünnt und in großen Mengen! Und so ähnlich halte ich es auch mit dem Wein: Pur, unverdünnt und in kleinen Mengen!

Wein oder Bier?

Meine Empfehlung: Wenn Ihr Lust auf ein Gläschen Wein habt, trinkt ein Gläschen, wenn nicht, dann trinkt was anderes. Auch ein kühles Bier bringt gute Laune und erfrischt.

Und noch was: Viele scheinen ihren geliebten Rotwein für die kühleren Tage im Jahr reservieren zu wollen. Was spricht eigentlich dagegen, einen Rotwein im Sommer gekühlt zu servieren? Wie haltet Ihr es?

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