Beaujolais – Winzer, Weine und Bezugsquellen

Richard Rottier

Beaujolais-Winzer Richard Rottier

Beaujolais ist der am meisten unterschätzte Rotwein Frankreichs. In diesem Beitrag will ich Dich mit den besten Weinen und Produzenten des Beaujolais-Gebietes vertraut machen und Dir sagen, wo Du diese Weine in Deutschland bequem einkaufen kannst. Wenn Du einige dieser wirklich exzellenten Vertreter getrunken hast, wirst Du den Beaujolais ganz sicher nicht mehr mit den fragwürdigen Primeur-Qualitäten in Verbindung bringen. Noch immer machen leider insbesondere die anspruchsvolleren Weintrinker einen großen Bogen um diese fröhlichen, unkomplizierten und ungemein trinkigen, aber alles in allem reputationsarmen Weine. Man spricht ihnen Feinheit und Seriosität ab und moniert, dass sie in Punkto Kraft und Intensität den anderen französischen Rotweinen das Wasser bei weitem nicht reichen können. Liebhabern saftiger, leichtgängiger Gewächse, die das Subtile und Elegante geschmacklicher Konzentration und mundfüllender Dichte vorziehen, können die besten Vertreter jedoch ungemein viel Trinkfreude bescheren. Es sind wahre Schätze, die noch immer unter Wert angeboten werden.

Beaujolais-Primeur ist nur ein Teil der Wahrheit

Na klar, der im südlichen Burgund zwischen Macon und Lyon beheimatete und aus der Rebsorte Gamay gekelterte Beaujolais tritt nicht in der Schwergewichtsklasse an. Er befriedigt weder die optischen Bedürfnisse nach dunkelroter, dichter Farbe noch nach Körperreichtum und hohem Alkoholgehalt. Das allein wäre aber sicher noch kein Grund, ihn zu diskreditieren und mit Mißachtung zu bestrafen. Sein verkorkstes Image hat er vielmehr seiner kommerziell erfolgreichsten Variante, dem Beaujolais „Primeur“ oder Nouveau“ zu verdanken, der jedes Jahr am dritten Donnerstag im November mit viel Getöse als gerade abgefüllter Jungwein die Marktplätze der ganzen Welt erobert. Die Qualitäten dieses ehemaligen Lifestyle-Produktes waren nie besonders ansprechend, doch seit die Primeur-Abfüllungen in die Fänge der Discounter geraten sind, ist die Qualität vollends unter die Räder gekommen. Mittlerweile sind auch die Absatzmengen dramatisch geschrumpft und weite Teile des Gebietes in eine Krise geraten.

Beaujolais-Weingut Dufaitre

Beaujolais-Weingut Dufaitre

Die charaktervollen Weine des Beaujolais

Nachdem sich nun die Primeur-Nebel allmählich verflüchtigt haben, wird der Blick wieder frei für die wahren Schätze der Region. Charaktervolle Weine hat es im Beaujolais immer gegeben, doch die Krise hat die Anstrengungen, die Qualität der Weine und die Reputation des Gebietes zu verbessern, noch einmal enorm befördert. Schade für die Weinliebhaber in der ganzen Welt ist allein die Tatsache, dass die weinrechtlichen Bestimmungen der französischen Appellationsgesetze den vielversprechendsten Quellen für vorzüglichen Beaujolais verweigern, ihre Identität als Beaujolais preiszugeben. Sie kommen unter lokalen Herkunftsbezeichnungen in den Handel, die zwar dem Kenner, nicht jedoch den weniger erfahrenen Weinnovizen ihre außerordentliche Abstammung zu erkennen geben. Diese besonderen Herkünfte werden von mir im Anschluss an die allgemeineren Appellationen vorgestellt.

Beaujolais

Aber so ist das nun mal in Frankreich. Das Qualitätsversprechen eines Weines steigt, umso kleinräumiger die rechtlich geschützte Herkunftsangabe auf dem Flaschenetikett ausfällt. Die einfachsten Qualitäten kommen unter der größtmöglichen Herkunftsangabe für das Gebiet auf den Markt, sie heißen Beaujolais. In diesem Segment trifft man allenthalben auf saubere, technisch solide gemachte Produkte, auf einfache, unkomplizierte Ware für wenig Geld. Nur wenige Produzenten bringen unter dieser Appellationsbezeichnung Weine hervor, die überdurchschnittliches Trinkvergnügen bereiten. Die Cuvée Traditionelle von der Domaine Vissoux und L’Ancien von der Domaine des Terres Dorées sind rühmliche, absolut preiswerte Ausnahmen.

Beaujolais-Villages

Die feineren Gewächse kommen seit eh und je aus dem nördlichen Teil der Region, dem Haut-Beaujolais. Die Rebstöcke wachsen hier auf Granit und Schiefer, die zusammen mit sandigen, trockenen und warmen Oberböden für ideale Reifebedingungen sorgen. In dieser Region haben 39 Orte Anrecht auf die Appellationsbezeichnung „Beaujolais-Villages“ und stehen damit eine Stufe über den einfachsten Abfüllungen. Die edelsten Weine jedoch, die so genannten „Crus“, kommen aus den kleinsten Bereichen. Dabei handelt es sich um zehn Orte, deren Weine als so charaktervoll und gut gelten, dass ihnen jeweils eine eigene Appellation zuerkannt worden ist. Manche haben wunderschöne, wohlklingende Namen, aber sie können bei Wein-Novizen Verwirrung stiften, weil auf ihren Etiketten der Appellationsname, nicht jedoch die Bezeichnung Beaujolais in Erscheinung tritt.

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Weinkeller im Beaujolais

Brouilly, Côte de Brouilly und Chénas

Unter ihnen ist Brouilly der größte und am weitesten südlich gelegene Cru. Die Weine, die von dort kommen, sind gemeinhin leicht und fruchtig. Es sind die Lieblinge der Pariser Cafés. Die Côte de Brouilly bringt von wärmeren und sonnigeren Hängen reifere, vitalere und kraftvollere Weine hervor. Als Platzhirsch gilt hier ist das “Château Thivin”. Alle Weine dieses Betriebes, vom geschmeidigen, samtigen Brouilly bis zu den mineralischen, eleganten Gewächsen der Côte, sind köstlich. Exzellenten, sehr viel reichhaltigeren und komplexeren Brouilly als die meisten anderen Produzenten im Tal offerieren die Domainen “du Vissoux” und “Georges Descombes”.

Chénas ist der kleinste Cru, doch seine Gewächse gelten als besonders fein und edel. Nach zwei bis drei Jahren Flaschenreifung, die sie zur Entfaltung ihrer wahren Größe unbedingt benötigen, kommen sie der Stilistik eines Pinot Noir sehr nahe. Die Domaine “Piron-Lameloise” repräsentiert mit ihrem “Quartz” die Spitze des Gebietes.

Chiroubles, Fleurie und Juliénas

Chiroubles liefert von den am höchsten gelegenen Beaujolais-Lagen überaus aromatische, leichtgängige Weine für den baldigen Trinkgenuss. Faszinierend schön ist vor allem ihr seidig-samtiges Mundgefühl. “Daniel Bouland” ist hier der Top-Produzent. Seine exzellenten, für die Region überdurchschnittlich konzentrierten Abfüllungen zeigen oft erst zwei bis drei Jahre nach der Flaschenfüllung was in ihnen steckt.

Fleurie verführt nicht nur mit seinem wohlklingenden Namen, sondern mehr noch durch seine überaus runde, zärtliche, an Blumen und pflückfrische Kirschen erinnernde Art. Generell besitzt ein Fleurie nicht die Kraft und Konzentration eines Moulin-a-Vent und auch nicht die Tiefe und Langlebigkeit eines Morgon, aber in Punkto Feinheit und Eleganz ist er nur schwer zu toppen. Die Gewächse von “Yvon Metras” zählen nicht nur in Fleurie, sondern im ganzen Beaujolais-Gebiet zu den feinsten und begehrtesten Abfüllungen überhaupt. Erst durch die sensationellen Kreszenzen der Newcomerin “Julie Balagny” sowie die jüngeren Jahrgänge von “Michel Chignard” erwachsen dieser Domaine ernst zu nehmende Konkurrenten heran. Hinzu kommen jüngst die Weine von Alain Coudert und seinem Weingut “Clos de la Roilette”. Neben zwei exzellenten, aber schon in jungen Jahren mit viel Freude trinkbaren Weinen, füllt er eine „Tardives“-Version ab, die sich unbedingt für eine längere Flaschenlagerung empfiehlt. Bemerkenswerte Fleurie kommen darüber hinaus aus den Häusern “Foillard”, “du Vissoux”, “Sunier” und “Terres Dorées”. Alle zusammen demonstrieren sie, dass die Terroirs von Fleurie definitiv zur absoluten Spitze des gesamten Beaujolais zu zählen sind.

Juliénas, benannt nach dem römischen Kaiser Julius Cäsar, vereint Körper und Struktur mit einer ungemein würzigen Aromenpalette. Die Weine wachsen hier überwiegend auf Granit, durchmischt mit Vulkan- und Lehmanteilen und lohnen es allen, die bereit sind, ihnen mindestens vier Jahre Flaschenreife zuzugestehen. Bedeutendster Produzent im Gebiet ist Michel Tête mit seinem Weingut “Clos du Fief”. Seine Cuvée Prestige gilt als eines der alterungsfähigsten Gewächse des gesamten Beaujolais.

Morgon

Morgon ist vielleicht der berühmteste aller Crus des Beaujolais. Er liegt ganz in der Mitte des Gebietes, umgeben von Fleurie, Chiroubles, Brouilly und Regnie. Die Geheimnisse für die überdurchschnittlichen Weinqualitäten liegen zum einen in den Besonderheiten des Terroir begründet. Die Gamay-Reben stehen hier vorwiegend auf dem Boden, den sie am meisten lieben, auf Granit. Daneben trifft man hier vereinzelt auch auf „verrotteten“ Schiefer und vulkanisches Gestein, allesamt Böden, die den Weinen Struktur und Mineralität verleihen. Die besten Abfüllungen kommen in der Regel von einer perfekt ausgerichteten Hanglage mit Namen „Cote du Py“.

Der andere Erfolgsfaktor ist ein menschlicher. Nirgendwo sonst im Beaujolais wirken so viele charismatische, qualitätsorientierte Winzerpersönlichkeiten wie in Morgon. Unter ihnen sind vier, die sich ganz den Ideen und Methoden ihres Vorbildes Jules Chauvet, dem Vater der Naturwein-Bewegung, verschrieben haben: “Guy Breton”, “Marcel Lapierre” (in dessen Fußstapfen nun sein Sohn Matthieu getreten ist), “Jean Foillard” und “Jean-Paul Thevenet”. Alle vier keltern großartige Weine. Lapierre zaubert die zartesten, verspieltesten Gewächse in die Flasche. Foillard’s Morgon präsentieren sich vergleichsweise kraftvoll, streng und rigoros energetisch – am Gaumen ist die Hölle los. Breton dagegen verleiht seinen Geschöpfen Flügel, so angenehm leicht, erfrischend und beschwingt kommen sie daher. Und der schlaue Thevenet schaut sich die Weine seiner Kollegen genau an und übernimmt ihre schönsten Seiten. So hat man bei seinen Morgon mal das Gefühl einen Lapierre, mal einen Foillard und ein andermal einen Breton im Glas zu haben.

Damit ist die Liste der hervorragenden Morgon-Produzenten jedoch längst noch nicht erschöpft. Zumindest erwähnt seien an dieser Stelle “Chamonard” und “Descombes”, die sich beide ebenfalls in ihren Weinbereitungsmethoden an Jules Chauvet orientieren. Auch aus dem Hause “Desvignes” kommt ein wundervoller, sehr burgundischer Morgon, ebenso von “Daniel Bouland”, der mit seinen Lagenabfüllungen “De Lys” und “Corcelette” beweist, dass auch auf Basis der traditionellen Methode des Gebietes (Macération semi-carbonique) elegante und gut strukturierte Weine entstehen können. All diese Weine verfügen über Alterungspotenzial und können dennoch auch schon jung mit viel Trinkfreude genossen werden.

Jean Foillard 2

Beaujolias-Winzer Jean Foillard

Moulin-a-Vent

Die mächtigsten, imposantesten Beaujolais entstehen in der Appellation Moulin-a-Vent. Die Weinberge befinden sich hier auf einem Hügel und sind umzingelt von den Rebflächen der beiden Crus Fleurie und Juliénas. Auf dem höchsten Punkt befindet sich eine Windmühle aus dem 15. Jahrhundert, die der Appellation ihren Namen verliehen hat. Die Weine von Moulin-a-Vent unterscheiden sich von den meisten anderen Crus im Beaujolais durch ihren enormen Körperreichtum, einen vergleichsweise hohen Tanningehalt und große Langlebigkeit. Die Gründe für diese besondere Stilistik ergeben sich – wie so oft – aus den Besonderheiten des Terroirs: Hanglagen und Granitböden mit ungewöhnlich hohem Mangan- und Eisenanteil. Die besten Moulin-a-Vent haben jedoch nicht nur Power, sondern auch Tiefe und geschmackliche Komplexität. Es sind, ganz im Verständnis von Hugh Johnson, große Weine: „Great wines don’t make statements, they pose questions.“

Meine Favoriten unter den Produzenten im Gebiet sind die Domaine “Jules Desjourneys” des passionierten Quereinsteigers Fabien Duperray, die Domaine des jugendlichen “Richard Rottiers” aus dem Chablis-Gebiet und die “Domaine du Vissoux” von Pierre-Marie und Martine Chermette. Sehr spannend sind auch die traditionell bereiteten Weine der kleinen “Domaine Diochon”, sie sind jedoch leider auf dem deutschen Markt nicht verfügbar.

Über all diese wundervollen Weine, die ein Glück für jeden Weinliebhaber bedeuten, darf nicht vergessen werden, dass die große Masse der im Gebiet erzeugten Weine nach wie vor auf niedrigem Qualitätsniveau die Regale der Welt erreicht. Aber vielleicht reicht die Strahlkraft der Pioniere ja bald so weit, um das ganze Beaujolais in Aufbruchsstimmung zu versetzen!

Meine persönlichen TOP 12 unter den Beaujolais-Produzenten

(mit Bezugsquellenangabe):

Domaine des Terres Dorées (gute-weine.de)

Domaine du Vissoux (viniculture.de)

Domaine Marcel Lapierre (viniculture.de)

Domaine Desjourneys (pinard-de-picard.de)

Domaine Rottiers (pinard-de-picard.de)

Domaine Burgaud (pinard-de-picard.de)

Domaine Jean Foillard (weine-visentin.de)

Domaine Yvon Métras (weine-visentin.de)

Domaine Daniel Bouland (karl-kerler.de)

Domaine Clos de la Roilette (weine-wuttke.de)

Domaine Julien Sunièr (vinisud.de)

Domaine Terres Dorées (gute-weine.de)

 

Fazit:

Trinkt mehr Beaujolais! Zumal in den wärmeren Monaten des Jahres, da er sich aufgrund seines geringen Tanningehaltes perfekt dazu eignet, gekühlt serviert und genossen zu werden.

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