Was sind gute Weine?

Gute Weine im Weinkeller

Das hat doch jeder schon mal erlebt: ein vergleichsweise einfacher, preiswerter Wein beschert enorme Trinkfreude, während ein wesentlich teurerer und vermeintlich höherwertiger Tropfen total enttäuscht. 

Emile Peynaud, ein bekannter französischer Önologe und Weinautor, hat einmal gesagt: »Qualität ist wohl das wichtigste Entscheidungskriterium beim Weinkauf.« Das klingt plausibel, zumindest auf den ersten Blick. Doch in allem Ernst: Ist es wirklich die Qualität, die uns alle in erster Linie interessiert? Ich behaupte das Gegenteil: Es ist vor allem unser persönlicher Geschmack, der befriedigt werden möchte. Ihn interessiert weniger, wie gut ein Wein ist, sondern ob er gefällt und die persönlichen geschmacklichen Präferenzen bedienen kann. Es sind in erster Linie die stilistischen Merkmale, die uns im einen Fall erfreuen, im anderen stören? Wer vor allem die runden, geschmeidigen Rotweine liebt, wird wenig Gefallen an den tanninbetonten Weinen aus Bordeaux finden, ganz gleich wie wertvoll und hochpreisig sie auch immer sein mögen. Wer Süßweine hasst, wird auch den besten nicht viel abgewinnen können.

Doch bei aller Bedeutung persönlicher geschmacklicher Vorlieben treibt die Frage der Weinqualität ganz viele Menschen um. Sie stellen einerseits selbstbewusst fest: „Der gefällt mir!“ und schließen dann verunsichert an: „Aber ist das auch wirklich ein guter Wein?“ und „Wie beurteilen Experten diesen Wein?“ Frag Dich selbst mal ganz ehrlich: Würdest Du einen Wein noch ein bisschen lieber mögen, wenn Du wüsstest, dass auch die Experten ihn gut finden? Wenn Dir subjektive Statements zum Wohlgeschmack und Gefallen nicht ausreichen und Du hinter die Kulissen blicken und wissen willst, wie und woran man einen einfachen von einem guten und einem exzellenten Wein unterscheiden kann, dann dürften Dich meine Überlegungen zur Weinqualität, die ich heute hier beginnen und in den nächsten Wochen fortsetzen werde, sicher sehr interessieren.

Ist Weinqualität messbar?

Wenn ich im Folgenden über Weinqualität spreche, versuche ich, die rein subjektive Perspektive, die dazu neigt, Qualität auf eine Frage des Geschmacks zu reduzieren, hinter mir lassen. Und weil auch die gesetzlichen Definitionen von Weinqualität und Qualitätswein viel zu allgemein und unpräzise sind und wenig zu einem besseren Qualitätsverständnis beitragen, will ich das komplexe Phänomen der Weinqualität einmal so aufzudröseln versuchen, dass die Sache verständlich wird und dabei ein paar nachvollziehbare Kriterien herauskommen, die jeder für sich selbst einsetzen kann, um jenseits persönlicher Vorlieben zu einem – nicht mehr ausschließlich subjektiven – Qualitätsurteil zu kommen. Weitere Informationen zum Begriff der Weinqualität finden Sie auf dem Portal Wein-Plus.

Ähnlich wie in der Musik und der Malerei orientieren sich auch meine Versuche, Weinqualität zu definieren, nicht allein an objektiven Kriterien. Neben einer Reihe konkreter, nachvollziehbarer und sogar weitgehend nachprüfbarer Dimensionen kommt auch mein Begriff der Weinqualität nicht ohne abstrakte Konzepte und ästhetische Kategorien aus. Gerade darin liegt jedoch der besondere Reiz bei der Beurteilung eines emotional wie ästhetisch so stark aufgeladenen Lebens- und Genussmittels wie Wein das nun mal ist.

Weinqualität beurteilen können

Wenn alles gut geht und Sie auch die folgenden Beiträge lesen, verfügen Sie im Ergebnis über einen geeigneten Kriterienkatalog, mit dem es Ihnen gelingen sollte, jeden beliebigen Wein in einer Gütehierarchie von »einfach« bis »exzellent« ungefähr zu positionieren, eine erste eigene Beurteilung zu formulieren und diese zu begründen. Darüber hinaus werden Sie auf jeden Fall in der Lage sein, Weinbewertungen von Experten besser zu verstehen und angemessen zu interpretieren.

Weinfehler erkennen

Fehlerlosigkeit beschreibt die Mindestanforderung an einen trinkbaren Wein, wie gut auch immer er sein mag. Ist er nicht fehlerfrei, können wir uns alle weiteren Mühen einer Beurteilung schenken. Fehlerfreiheit ist notwendige Voraussetzung, um weitergehende Qualitätsansprüche überhaupt untersuchen und geltend machen zu können. Zwar haben kellertechnische Entwicklungen und zunehmendes önologisches Know-how dazu beigetragen, Unsauberkeiten und Fehler im Prozess der Weinbereitung weitgehend zu eliminieren. Dennoch sind Weinfehler keine Seltenheit.

Aber was sind echte Weinfehler und welche sind nur eingebildet? Mit welcher Begründung darf ein Wein im Restaurant zurückgegeben werden? Um als Konsument in diesen Fragen größere Sicherheit zu erlangen, solltest Du zunächst verstehen, wie ein optisch, aromatisch und geschmacklich fehlerfreier Wein beschaffen ist. Und Du solltest die wichtigsten Weinfehler und ihre Erscheinungsformen kennen und sie nicht bloß mit Ungewohntem verwechseln. Nur dann wirst Du einen Wein nicht in die Fehlerecke stellen und intuitiv ablehnen, bloß weil Dir seine Art unbekannt ist oder befremdlich vorkommt.

Dazu dann aber mehr im nächsten Beitrag…

 

Ihre Meinung ist uns wichtig

*