Weinqualität: eine Geschmacksfrage?

_MG_0747Die Frage, was Weinqualität eigentlich ausmacht, wird in so gut wie jedem meiner Weinseminare gestellt. Wie und woran kann ich eigentlich einen guten Wein erkennen? Es ist ein Thema, das viele umtreibt, vielleicht auch deshalb, weil es beim Wein so viel schwieriger erscheint als bei vielen anderen Produkten. Wenn ich dann die Frage an die Seminarteilnehmer zurückgebe, stellt sich schnell heraus, dass in Sachen Weinqualität jeder seine eigenen Vorstellungen hat. Eine rein subjektive Perspektive neigt dazu, Weinqualität auf eine Frage des Geschmacks zu reduzieren. Gut ist in diesem Fall, was gefällt und Vergnügen bereitet.

Weinqualität – für jeden was anderes

Schnell kommt eine lebhafte Diskussion zustande, die die unterschiedlichen Zugänge zum Phänomen „Weinqualität“ deutlich macht. Die einen mögen die Süßen lieber als die Trockenen, die anderen die Roten lieber als die Weißen. Manche begeistern sich für die Leisen und Introvertierten, während andere die Intensiven und Kraftvollen vorziehen. Ich persönlich habe eine Schwäche für die Vergnügten und Unbeschwerten.

Für immer mehr Menschen sind ökologische, soziale und nachhaltige Aspekte bei den verwendeten Trauben und im Produktionsprozess bedeutsam und motivieren die Bereitschaft, höhere Preise zu zahlen. Für wiederum andere spielen das Alterungs- und Entwicklungspotenzial eines Weines oder sein rebsorten- und ursprungstypischer Charakter eine wichtige Rolle.

Weinqualität – eine Frage des Preises?

Eine Beobachtung teilen alle: Vom Preis auf Qualität und Trinkgenuss zu schließen, kann zu herben Enttäuschungen, aber auch zu beglückenden Überraschungen führen. Tatsächlich ist es naiv, an einen unmittelbaren Zusammenhang zu glauben. Sicher muss ein hochwertiger Wein, der einen aufwendigen Herstellungsprozess durchlaufen hat, teurer sein als ein einfaches, industriell erzeugtes Massenprodukt. Aber bereits für zehn Euro werden rund um den Erdball gute bis sehr gute Weine angeboten. Für ein paar Euro mehr lassen sich bereits exzellente Qualitäten finden. Wer mehr Geld für einen Wein ausgibt, muss auch mehr Zeit und Zuwendung in seinen Konsum investieren, sonst wird es sich schnell als Fehlinvestition herausstellen. Dann allerdings sind beeindruckende Begegnungen möglich.

Sind exorbitante Weinpreise gerechtfertigt?

Weine aus berühmten Anbaugebieten und aus dem Hause angesehener Produzenten können in manchen Jahrgängen, insbesondere wenn bekannte Kritiker hohe Bewertungen vergeben haben, exorbitante Preise erzielen. Diese Weine finden nicht nur allein aufgrund ihrer besonderen Qualität kaufkräftige Nachfrage, sondern auch weil es Menschen gibt, die einen Wein umso begehrenswerter finden, je teurer er ist. Der Preis dieser Luxus-Weine steht in keinem Verhältnis zu seinen Produktionskosten. Ihre Bedeutung für die Käufer geht über den reinen Genuss weit hinaus.

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Ausblick

Keine Frage also: Unsere Geschmacksurteile sind subjektiven Präferenzen unterworfen. Können wir dennoch versuchen, einen Wein unabhängig davon qualitativ zu beurteilen? Welche Kriterien könnten bei einer solchen Beurteilung sinnvoll sein? Diesen Fragen werde ich in den nächsten Wochen hier im Blog in einer lockeren Abfolge von Beiträgen nachgehen und freue mich auf Eure Kommentare.

Kommentare

  1. Willi Reinheimer meint:

    Pestizide im Bio-Wein hat natürlich etwas zu tun wo die Trauben wachsen. Wenn nebenan noch traditionell gearbeitet wird gibt es immer ein Risiko, dass der Wind Pestizide und anderes in den Weinberg bläst. Aber je mehr Winzer auf Bioanbau umstellen, desto geringer wird dieses Problem. Allerdings bedeutet für mich Bio nicht gleich besser, zumindest nicht beim Wein :) Es kommt schon noch darauf an, was der Winzer aus den Trauben macht. Bei uns im Dorf gibt es jetzt einen Winzer, der veganen Wein erzeugt. Na ja…. Alle Weine müssen zur Erteilung einer AP Nummer chemisch untersucht werden. Ich denke, das gibt schon einiges an Sicherheit.

    • Hallo Herr Reinheimer, vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar. An der Mosel ist das zum Teil ein großes Problem, weil in den Steinlagen die Spritzmittel mit dem Helikopter ausgebracht werden. Wenn dann ein Bio-Weinberg dazwischen liegt, kriegt er wahrscheinlich eine gewisse Dosis ab. Doch generell tragen die Analysen im Rahmen der Erteilung der AP-Nummer dazu bei, dass die gesetzlich festgelegten Höchstgrenzen eingehalten werden. Aber eben das ist so manchem Verbraucher eben nicht ausreichend – zurecht, wie ich meine.

  2. Inga M. meint:

    Zum Thema Qualität: Mich würde interessieren, ob jemand Erfahrung mit Bio-Weinen hat? Sind diese in der Regel durch geringeren Einsatz von Pestiziden bekömmlicher? Eine geringere Belastung mit Schadstoffen würde ich schon als Qualitätsmerkmal sehen.
    Viele Grüße!

    • Liebe Inga,
      vielen Dank für die interessante Frage. Ja, konventionell erzeugte Weine sind deutlich stärker mit Pestiziden belastet als Bio-Weine, dennoch ist der Grad der Belastung in der Regel gesundheitlich völlig unbedenklich. Hierüber hat die Süddeutsche mal einen kritischen Bericht gebracht: http://www.sueddeutsche.de/leben/pestizide-im-wein-verseuchte-tropfen-1.588967
      Ich selbst habe bislang am eigenen Leib keine Unterschiede festgestellt, nehme aber an, dass das von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist.
      Häufiger entstehen Unverträglichkeiten als Reaktion auf Intoleranzen gegenüber den Histaminen im Wein, besonders im Rotwein. Auch in diesem Fall sind Unterschiede von Mensch zu Mensch außerordentlich groß.
      Ich hoffe, das hat Dir etwas weitergeholfen. Ansonsten freue mich auf eine Vertiefung der Thematik…
      Viele Grüße,
      Wolfgang

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