Haben die Deutschen Angst vor Wein?

_MG_1627Haben die Deutschen Angst vor Wein? Diese Frage wirft am 22. März in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung der Weinkritiker Stuart Pigott auf. Er schreibt: „Es ist wirklich erstaunlich, wie dramatisch das Selbstbewusstsein erwachsener Menschen mit erfolgreichem Job und glücklichem Privatleben schwindet, wenn sie meinen, das Weinglas nicht richtig zu halten.“ Und er fährt fort: „…Wein ist ohne Frage ein von Unsicherheit umstelltes Thema in Deutschland“. Der Mann hat recht. Aber woran liegt es bloß, dass sich viele Menschen rund um das Thema Wein so inkompetent und unsicher fühlen? Ist Weingenuss denn nur möglich, wenn man ausreichend viel Weinwissen angehäuft hat? Wenn man sich umhört, scheinen genau das viele Zeitgenossen verinnerlicht zu haben. Und weil ihnen das alles zu kompliziert ist, lassen sie lieber die Finger davon.

Fragen über Fragen…

Nicht nur die Frage, wie man das Weinglas richtig hält, führt zu Verunsicherungen. Die ganze Weinwelt entpuppt sich als Rätsel: Wieso soll ich im Restaurant am Korken riechen? Darf ich beim Zuprosten anstoßen? Muss die Flasche mehrere Stunden vor dem Trinkgenuss geöffnet werden? Ist Dekantieren nur Show oder dient es einem Zweck? Sind auch Schraubverschlüsse akzeptabel? Muss ich Rotwein wirklich bei Zimmertemperatur servieren? Welche Rolle spielt das Weinglas und wie voll darf ich es machen? Sollte ich zum Fisch immer Weißwein und zum Käse immer Rotwein wählen? Sind süße Weine eigentlich immer von minderer Qualität?

Flaschenetiketten und Weinbeschreibungen verstehen

Tatsächlich ist Wein kein einfaches Produkt und es soll hier auch gar nicht der Eindruck erweckt werden, der Zugang sei spielend und im Nu zu bewerkstelligen. Die Vielfalt der Angebote ist riesig, die Flaschenetiketten kompliziert und die gängigen Weinbeschreibungen irritierend.  Verschärft werden die Unzulänglichkeitsgefühle vor allem durch die herrschende Weinkommunikation. Überall trifft man auf detailreiche, aber kaum nachvollziehbare Weinbeschreibungen. Es ist üblich geworden, mit Akribi die sensorischen Empfindungen, vor allem die Dufteindrücke, die mit dem Weingenuss einhergehen, in allen Einzelheiten aufzulisten. Das macht manche skeptisch, viele verunsichert es und schüchert ein. „Stimmt etwa mit meiner Wahrnehmung etwas nicht?“ Das fragen sich viele und sie mutmaßen, dass man für den wahren Weingenuss wohl eine feinere Nase und einen sensibleren Gaumen haben muss. Und so ergreifen nicht wenige die Flucht und wenden sich frustriert ab.

Wie viel Weinwissen ist notwendig?

Ob im Freundes- oder Kollegenkreis, immer taucht irgendwo einer dieser besserwissenden Besserschmecker auf und andauernd läuft man Gefahr, kein schlaues Statement abgeben zu können, angesagte Weine nicht zu kennen, vor allem aber nicht das zu riechen und zu schmecken, was andere riechen und schmecken und nicht die Weine zu mögen, die die vermeintlichen Kenner favorisieren. Viele Menschen kommen zu der Überzeugung, dass echter Weingenuss nur möglich ist, wenn man Connaisseur oder Liebhaber ist, ausgestattet mit viel Produktwissen und einem überdurchschnittlich sensiblen und erfahrenen Gaumen.

Konventionen schaden mehr als sie nützen

Mein Tipp: Mach es Dir gemütlich und genieße entspannt ein Gläschen Wein. Verschwende keine Gedanken daran, was Du weißt und was Du nicht weißt. Schere Dich nicht darum, was Du riechen und schmecken solltest. Tagträume einfach und überlasse Dich Deinen Imaginationen, Deinen inneren Bildern und Empfindungen. Lass‘ Dich berühren und vielleicht ein wenig forttragen. Selbst wenn mehr in einem Wein steckt, als der rein genussorientierte Zugang zu erkennen vermag, bleibt der Genuss eines Gläschen doch ein ganz wundervolles Erlebnis. Ist nicht das der eigentliche Daseinszweck eines jeden Weins?

Wer im beruflichen Umfeld immer wieder mit dem Thema Wein konfrontiert wird, tut gut daran, auch hier einen entspannten Umgang zu pflegen. Darüber hinaus kann es überaus nützlich sein, sich ein wenig mit der Weinwelt vertraut zu machen. Du wirst Dich bei Geschäftsessen wohler fühlen und den Small Talk mit Kollegen souveräner gestalten, wenn Du die wichtigsten Weinstile und Qualitäten kennst, ein Gefühl für Preise entwickelt hast und ein wenig mit der Weinsprache vertraut bist.

Mein Versprechen für Dich

Dabei will ich Dich gerne unterstützen. Schreib mir doch, wo bei Dir der Schuh drückt. Welche Fragen möchtest Du beantwortet haben? In den nächsten Wochen werde ich viele der Themen, die von meinen Seminarteilnehmern immer wieder aufgeworfen werden, hier im Blog zum Anlass für weitere Beiträge nehmen. Auch Deine Fragen und Bemerkungen sind hier herzlich willkommen. Damit auch Du ein besseres Gefühl für Wein bekommst und dem Thema zukünftig gelassener, aber auch sicherer und selbstbewusster begegnest!

Ich freue mich, wenn Du meine Einladung annimmst!

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