Lambrusco – den „Echten“ entdecken

Trauben am Stock (1 von 1)

Echter, ursprungstypischer Lambrusco ist ein genialer Wein: schäumend, rot, duftig, trocken und ungemein erfrischend. Es ist ein Wein zum Trinken, nicht zum Nippen – ähnlich wie Prosecco.

Lambrusco steht für Heiterkeit, nicht für andächtige Meditation: Er ist vinifizierte Lebensfreude für Genießer, kein intellektueller Wein für Weinsnobs. Seine Leichtigkeit, prickelnde Frische, Aromatik, Unkompliziertheit und auch Erschwinglichkeit machen ihn zu einem idealen Begleiter für die warmen Tage des Jahres.

Schätzungsweise werden jährlich 300 Millionen Liter Lambrusco produziert und auf der ganzen Welt getrunken. Leider ist nur ein kleiner Teil davon echter Lambrusco mit Ursprungsbezeichnung. Die Pflege der Weinberge lässt noch immer zu wünschen übrig und die Erträge sind viel zu hoch. Die Quittung dafür sind dünne, nichts sagende Weine ohne jedes Aroma und Frische. Damit ihre ganze Schlechtigkeit nicht gar so ins Auge springt, macht man sie ordentlich süß, meist klebrig süß. So kann es niemanden wundern, dass das Image des Lambrusco vor allem im Kreise interessierter Konsumenten miserabel ist und kaum jemand weiß, wie guter Lambrusco wirklich schmeckt. Das hat er nun von seiner Beliebtheit.

Glücklicherweise ist die Zahl einfacher, gut gemachter Standardabfüllungen in den letzten Jahren deutlich angestiegen, vor allem aber gibt es eine größer werdende Schar selbstbewusster Weingüter, die handwerklich erzeugten Lambrusco auf höchstem Niveau in die Flasche füllen. Selbst die Genossenschaften und Großkellereien offerieren eine zunehmende Zahl bemerkenswerter Prestigeprodukte und reihen sich somit ein in das Projekt einer ganzen Region: Zukunftsfähigkeit. Leider gibt es nördlich der Alpen noch viel zu wenig selbstbewusste Weinhändler, die sich trauen, einen typischen Lambrusco in ihr Sortiment aufzunehmen, um den Konsumenten die Chance zu eröffnen, an der Renaissance des emilianischen Traditionsproduktes teilzuhaben.

Die interessantesten Versionen kommen aus der Provinz Modena und führen die Zusatzbezeichnungen „di Sorbara“ und „Grasparossa di Castelvetro“. Der Grasparossa bringt bei relativ niedrigen Erträgen in den Hügeln um Castelvetro, südlich von Modena, brombeerfruchtige, dunkle, robuste Lambrusco mit reichlich Tannin, Körper, tiefer Säure und dezenter Süße hervor, während Sorbara im Nordosten von Modena helle, schlanke, säurereiche, dafür sehr aromatische, himbeerduftige Weine ergibt, die die deftigen emilianischen Schweinewürste und -gerichte ebenso perfekt begleiten wie der tanninbetontere Grasparossa.

Der Salamino di Santa Croce (DOC im Norden von Modena) besitzt weniger stark ausgeprägte Charaktereigenschaften. Seine reich tragenden Rebstöcke ergeben in der Regel einen dunklen Wein, der geschmacklich zwischen einem Sorbara und einem Grasparossa liegt und im Falle der besten Vertreter von ausgeprägter Fruchtigkeit ist. Reggiano ist die mengenmäßig bedeutendste Lambrusco-Herkunft; hier dominiert Salamino die Cuvées, in die neben den beiden anderen Lambrusco-Varietäten auch die einheimische „Färbertraube“ Ancellotta Eingang findet.

Zum Essen: zur reichen, emilianischen Küche mit Butter, Eiernudeln, Tortellini, Parmigiano Reggiano, Parmaschinken und Mortadella, aber auch zu Schweinshaxe, Käsefondue, kräftig gewürzten exotischen Gerichten und Innereien

Empfehlenswerte Vertreter: Cavicchioli, Ceci, Chiarli, Riunite, Medici Ermete, Francesco Bellei, Corte Manzini, Vezelli Francesco, Virgili, Zucchi

Zum Weiterprobieren: andere perlende Rotweine: Bonarda, Barbera oder Freisa aus Italien, Sparkling Shiraz aus Australien

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