Südafrika Pinot Noir (Teil 1)

Hemel-en-Aarde_ProduzentenSeit einigen Jahren entdeckt Südafrika zunehmend das Potenzial seiner kühleren Lagen für den hochwertigen Weinbau. Es sind im Wesentlichen die küstennahen Gebiete zwischen Stellenbosch und dem Kap Agulhas, die immer überzeugender demonstrieren, dass Südafrika mehr kann als kraftvolle Rotweine…
Wer wenige Kilometer nördlich von Hermanus, dem beliebten Ausgangspunkt für spektakuläre Whale-Watching-Touren, die Küstenstraße in nordöstlicher Richtung verlässt, betritt nicht nur eine spektakulär schöne Naturlandschaft, sondern zugleich ein ungemein vielversprechendes Ursprungsgebiet für eine der terroir-sensibelsten Rebsorten überhaupt: Pinot Noir. Hier sind es vor allem die Subregionen Hemel-en-Aarde Valley, Upper Valley und Ridge, die regelmäßig für die feinsten Exemplare verantwortlich zeichnen. Obwohl diese Gebiete nach südafrikanischer Lesart unzweifelhaft Cool-Climate-Gebiete sind und die durchschnittliche Jahrestemperatur um fast 3 Grad Celsius niedriger als in Stellenbosch ausfällt, handelt es sich nach internationalen Maßstäben nicht um kühle Weinbaugebiete im engeren Sinne. Es ist wärmer als im Burgund und in den neuseeländischen Pinot-Regionen, aber eben auch deutlich kühler als der Breitengrad dies erwarten lässt. Der Alkoholgehalt liegt um die 14 Volumenprozent
und damit etwas höher als im Burgund.
Pinot Noir kann hier bereits auf eine fast 40jährige Geschichte zurückblicken. Die ersten Rebstöcke pflanzte Tim Hamilton Russell im Jahr 1976. Drei Jahre später kam mit Peter Finlayson ein erfahrener Önologe aus Frankreich in den Betrieb, der binnen weniger Jahre für einen großen qualitativen Entwicklungssprung sorgte. Bei internationalen Vergleichsproben glänzte sein Chardonnay, doch sein Pinot Noir war von einem Original aus dem Burgund nicht zu unterscheiden: kühl und reserviert, straff gebaut und tanninbetont. Wenige Jahre später gründete Finlayson in Kooperation mit der Domaine Bouchard aus dem Burgund sein eigenes Weingut und führte es ebenfalls zu schnellen Erfolgen.
Das waren die Geburtsjahre einer Entwicklung, die bis heute längst noch nicht abgeschlossen ist. Aus zwei Betrieben sind mittlerweile fast zwei Dutzend geworden. Die Qualität der Weine ist seit den Gründerjahren deutlich angestiegen, nicht zuletzt weil besseres Rebmaterial zur Verfügung steht und die Erträge reduziert wurden. Da allerdings bislang nur wenige Anlagen über ein höheres Durchschnittsalter verfügen, kann mit einer qualitativen Weiterentwicklung gerechnet werden, wenn die Rebstöcke älter werden.
Allmählich kristallisieren sich erste stilistische Unterschiede zwischen den einzelnen Unterzonen heraus. Die lehmhaltigen Tonschieferböden des Hemel-en-Aarde Valley ergeben die strukturiertesten, tanninbetontesten Pinots, die Sandsteinböden des Upper Valley bringen leichtere, weichere Exemplare und die schweren Lehmböden von Hemel-en-Aarde Ridge erweisen sich als zuverlässige Quelle einer üppigen, fruchtintensiven Pinot-Stilistik, wie sie auch in anderen Regionen der Neuen Welt zu finden ist.
Empfehlenswerte Vertreter (einige sind oben auf dem Foto zu sehen):
Hemel-en-Aarede Valley: Bouchard Finlayson, Crystallum, Hamilton Russell, Storm Wines
Upper Hemel-en-Aarde Valley: Newton Johnson, Sumaridge
Hemel-en-Aarede Ridge: Creation, Crystallum, La Vierge

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