Südafrika – Weinland mit vielversprechender Zukunft

Stellenbosch WeinlandschaftSüdafrika ist heute eines der faszinierendsten Weinländer der Welt. Die Aufbruchsstimmung ist überall im Land spürbar: Neue, Erfolg versprechende Gebiete fordern die klassischen Regionen heraus, junge Winzertalente betreten mit unkonventionellen Ideen die Bühne und alte, vergessene Rebanlagen werden für sensationelle Weinqualitäten wiederentdeckt. Vielleicht kann die Kraft dieser Aufbruchsstimmung schon bald dazu beitragen, auch auf dem Feld des sozialen Miteinanders für Veränderungen zu sorgen und die Lebenschancen der schwarzen Bevölkerung zu verbessern.

Die besten Weine kommen von küstennahen Gebieten

Die in Südafrika bestockte Rebfläche für die Weinproduktion entspricht heute mit etwas mehr als 100000 Hektar in etwa derjenigen Deutschlands. Doch anders als hierzulande, wo die Winzer für ihre Rebanlagen stets die wärmsten Landstriche auswählen, ist qualitativ hochwertiger Weinbau in Südafrika nur in den kühleren Küstenregionen im Südwesten des Landes möglich. Doch selbst in diesen meeresnahen Gebieten zwischen dem 32. und 34. Breitengrad müsste es eigentlich für den Weinbau zu warm sein. Allein dem Benguelastrom, der kalte antarktische Wassermassen Richtung Norden treibt, ist das milde, mediterrane Klima rund um Kapstadt zu verdanken. Langen, heißen Sommern stehen hier meist kalte und feuchte Winter gegenüber, aber generell ist das Klima so abwechslungsreich wie die Landschaft und die Bodenformationen. In einigen Gebieten müssen die Rebanlagen bewässert werden, während in anderen Regionen Wasser und Feuchtigkeit im Überfluss vorhanden sind. Und dort, wo Regen in der Reifeperiode öfter fällt als erwünscht, entfaltet der böige Südostwind, der „Cape Doctor“, segensreiche Wirkungen, indem er der Luftfeuchtigkeit hartnäckig entgegenwirkt und so den Mehltau und andere Pilzkrankheiten vertreibt.

Südafrika geht auf Tuchfühlung mit den führenden Weinbaunationen

Seit dem Ende der Apartheid hat der Weinbau in Südafrika große Fortschritte gemacht, die Methoden der Weinbergspflege und Kellerwirtschaft entsprechen mittlerweile internationalen Standards – mit allen Segnungen und Nachteilen. Die Weine sind durchweg sauber bereitet, die Harmonie zwischen Alkohol und Extrakt stimmt und der biologische Säureabbau findet regelmäßig statt. Aber auch Rotofermenter, Schleuderkegelkolonne und vielfach übertriebener Barriqueeinsatz sind Alltag bei der südafrikanischen Weinbereitung. Diese „Kinderkrankheiten“ scheinen – das belegt auch ein Blick auf andere aufstrebende Regionen in der Welt – auf dem Weg zur Identität eines Weinbaugebietes dazuzugehören. Die Rebsortenlandschaft hat sich zugunsten höherwertiger Varietäten sowie geeigneterer Klone und Unterlagen weiterentwickelt. Den größten Stellenwert genießen Cabernet Sauvignon (11 Prozent der Gesamtfläche), Syrah (10 Prozent), Pinotage (6,5 Prozent) und Merlot (6 Prozent) bei den roten und Chenin Blanc (17 Prozent), Colombard (11 Prozent), Sauvignon Blanc (9 Prozent) und Chardonnay (7 Prozent) bei den weißen Sorten.

Neue Rebsorten braucht das Land

Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Zukunft Veränderungen bringen könnte: • eine Verschiebung des Rebsortenspiegels speziell im Rotweinsegment weg von der Dominanz der Bordeaux-Varietäten; viele mediterrane Rebsorten aus Südfrankreich, Italien und von der Iberischen Halbinsel finden hier allerbeste Voraussetzungen vor, werden aber bislang nur in homöopathischen Mengen angepflanzt; • eine stärkere Gewichtung von Verschnittweinen („Blends“) im Verhältnis zu rebsortenrein ausgebauten Weinen; • die Wiederbelebung alter, größtenteils vergessener Rebanlagen (meist) außerhalb der klassischen Kernregionen; • das Auffinden neuer und die Weiterentwicklung der noch jungen Cool-Climate-Gebiete Eine vielversprechende Zukunft scheinen vor allem die küstennahen Gebiete Elgin und Walker Bay zu haben, die nicht nur enorm fruchtintensive, frische und vitale Weißweine, sondern auch allerfeinste Pinot Noirs produzieren. Zum anderen verfügt das im Norden der bekannten Weinregionen Constantia, Stellenbosch, Franschhoek und Paarl gelegene Swartland über große Schätze an altem Rebbestand, die von immer mehr Winzern wiederentdeckt und für die Bereitung außergewöhnlicher Gewächse nutzbar gemacht werden.

Empfehlenswerte Produzenten

A.A. Badenhorst, Sadie Family, Kanonkop, Creation, Crystallum, Newton Johnson, Boekenhoutskloof, de Trafford, Iona, DeMorgenzon, Chris Alheit, Reyneke, Miles Mossop, David Sadie, Mullineux, Fairview, Cape Point Vineyards, Chamonix

Ihre Meinung ist uns wichtig

*