Dao – Harmonie und Eleganz auf Portugiesisch

_MG_2207Alte Doa-Weine genießen einen legendären Ruf. Man sagt ihnen nicht nur exzellentes Entwicklungspotenzial, sondern auch ungewöhnliche Feinheit und Eleganz nach. Hohe Säurewerte und mächtige Tannine schlossen dagegen einen zeitigen Genuss stets kategorisch aus. In ihrer Jugend strotzten diese Weine nur so vor Frucht, Kraft, Substanz und… geschmacklicher Intensität und es dauerte in der Regel länger als eine Dekade, bis sie ihre verschlossene, unzugängliche Art abstreiften und sich allmählich feinere, nuancenreichere Facetten einstellten. An diese Blütezeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts erinnerten wenige Jahrzehnte später nur noch ein paar ungeöffnete Flaschen aus den glorreichen Tagen. Es folgten schwierige Jahrzehnte für Portugal, Krisen auf Krisen, und erst mit dem EU-Beitritt 1986 wurde eine neue Ära eingeläutet. Seither hat sich vieles zum Guten verändert, zunächst langsam und dann seit der Jahrtausendwende immer dynamischer. Heute entstehen wieder Weine wie vor hundert Jahren, Weine, die das außerordentliche Potenzial der Gegend verkörpern – nur ein bisschen feiner noch als damals. Es sind heute nicht mehr jene Tanninmonster früherer Tage, viel regelmäßiger trifft man auf Weine mit mehr Frucht, geschmeidigerer Tanninstruktur und gezügeltem Alkoholgehalt. Typische Aromen sind Bergamotto, Veilchen, Fleisch, Teer und am Gaumen macht sich oft eine mineralisch-erdige Note bemerkbar. In der Spitze versammelt sich ein Dutzend so ungemein köstlicher Gewächse, dass man sich fragt, wieso sie noch so unbekannt sind und wieso so selten über sie gesprochen und geschrieben wird. Die Quintessenz dessen, was das Dão-Gebiet heute im Topsegment leisten kann, zeigt der Quinta da Pellada von Alvaro Castro. Es ist ein ungemein voller, dichter, aber auch vital-eleganter Wein mit Kräuteraromen und Noten dunklen Beerenfrucht. Er besticht durch subtile Komplexität, einen ungemein geschmeidigen Trinkfluss und eine so trinkanimierende Saftigkeit, dass man gar nicht anders kann, als nachzuschenken. Die Spitzenweine im Dao heben sich insgesamt wohltuend von so manch anderen aufstrebenden Weinbaugebieten auf der iberischen Halbinsel ab, die nicht selten mit einem fast überreifen, rosinig-extraktsüssen Stil zu Punkten versuchen. Das liegt sicherlich vor allem an den besonderen natürlichen Rahmenbedingungen im Gebiet, aber auch das beharrliche Festhalten der Winzer an den einheimischen Varietäten, hat Anteil an der stilistischen Performance der Dao-Weine. Eine Minderheit unter den Produzenten setzt neuerdings auf die Sorte Jaen, aus der in der Vergangenheit überwiegend einfache, früh trinkreife Weine gewonnen wurden. Seit diese Varietät jedoch im nahe gelegenen spanischen Bierzo erfolgreich reüssiert, werden nun auch im Dao Versuche unternommen, das Potenzial der Sorte neu zu bestimmen.
Für Weinliebhaber in der ganzen Welt ist die Renaissance des Dão ein Glück, und wenn sie nicht ausschliesslich mit den Sorten Touriga Nacional oder Tinta Roriz vollzogen wird, wird das der Profilierung der Region innerhalb und außerhalb Portugals genauso zuträglich sein wie dem Wunsch der Konsumenten nach geschmacklicher Vielfalt. Bescheiden, aber selbstbewusst entfaltet eine der einzigartigsten Weinbauregionen der Welt ihre Potenziale.
Empfehlenswerte Produzenten: Casa de Mouraz, Quinta de Darei in Mangualde, Dão Sul, Pedro Cancela, Quinta da Boavista, Quinta das Cavalhais, Quintas das Marias, Quinta da Pellada, Vinha Paz, Quinta dos Roques

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