Weinjahrgang 2013 an der Loire – Teil 1

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Spätfröste im Frühjahr, Hagel im Sommer und jede Menge Feuchtigkeit im Herbst – das sind alles andere als optimale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Weinjahrgang. Wie es wohl in diesen Tagen der Ernte einer meiner französischen Lieblingssorten entgeht? Die Prognosen im Spätsommer stimmten mich eigentlich recht optimistisch. Aber dann kam der Regen, an manchen Stellen zu viel Regen. Und nun warte ich auf die ersten Ergebnisse. Die Winzer befinden sich mit ihren Lesetrupps zur Zeit fast Tag und Nacht in den Weinbergen. Unter den aktuellen Bedingungen muss akribisch vorgelesen werden, angefaulte und unreife Trauben werden eliminiert und dann kommt irgendwann der Tag der finalen Wahrheit. Meine französische Lieblingssorte heißt Chenin blanc. So manches, vor allem die große Vielfalt an Weinstilen, erinnert mich bei dieser Rebsorte an Riesling: von extrem trocken über halbtrocken bis hin zu hinreißend süß, von superfein bis belanglos und abstoßend – nichts ist unmöglich.

Junger Chenin Blanc duftet herrlich nach grünen Äpfeln, Reineclauden, Quitten und Angelika (Engelwurz), und je nach Herkunft gesellen sich erdig-mineralische Noten hinzu. Das stilistische Herzstück der Sorte ist ihre kräftige Säure, eine Eigenschaft, die sie nicht nur bei Produzenten süßer und schäumender Weine beliebt macht, sondern auch bei den Weinmachern in warmen Klimazonen, da hier der Säurelevel auch bei Vollreife noch vergleichsweise hoch ist.

Die Heimat von Chenin Blanc sind die Loire-Regionen Touraine und Anjou, wo die Sorte auch Pineau de la Loire genannt wird. In Anjou, dem Gebiet um die Stadt Angers, entstehen zwar auch Unmengen einfacher Roséweine, aber die eigentliche Spezialität sind die aus Chenin Blanc gekelterten Weißweine. Die besten Reben wachsen am hohen Nordufer der Loire auf den nach Süden ausgerichteten Schieferhängen der Appellation Savennières im Süden der Stadt Angers. Früher waren die Weine von dort meist süß, aber nun schon seit mehreren Jahrzehnten werden sie trocken ausgebaut.

Die bemerkenswertesten Gewächse kommen von zwei Einzellagen, die bereits im 11. Jahrhundert von Mönchen angelegt wurden: Coulée de Serrant und La Roche-aux-Moines. Sie ergeben ungemein dichte, komplexe und alterungsfähige Kreszenzen, die zu den interessantesten Weißweinen der Welt zählen. Ihre jugendliche Vitalität mag gelegentlich sehr streng und hart erscheinen, mit zunehmender Reife gehen diese wenig generösen Eigenschaften jedoch allmählich verloren, und an ihre Stelle tritt der Glanz eines mit Würde gereiften Weines: Im Bouquet finden sich intensive Honigaromen, Gewürz- und Marzipannoten, aber auch Quitte, Aprikose und gelegentlich Wachs; am Gaumen präsentieren sie sich mild, mundfüllend, komplex und lang anhaltend. Südlich der Loire offerieren die Anbaugebiete Côteaux du Layon und Côteaux de l’Aubance halbtrockenen (demi-sec) bis sehr süßen Chenin blanc (moelleux).

Quarts de Chaume (mineralisch und rassig) und Bonnezeaux (extrem köstlich) sind die beiden Grand-Cru-Enklaven innerhalb der Côteaux du Layon. Von den Schieferböden aus dieser Gegend kommen die süßesten, komplexesten und raffiniertesten Gewächse des Gebietes, im Falle der besten Vertreter immer auf der Basis edelfauler Beeren. Sie unterscheiden sich wohltuend von den berühmteren Sauternes-Weinen aufgrund ihrer erfrischenden Säure, enormen Fruchtigkeit und des Fehlens jeglichen Barriqueeinflusses. Je süßer die Weine, umso rosinen- und likörähnlicher schmecken sie.

Weiter östlich in der Gegend um die Stadt Saumur, wo auch einige wunderbare Rotweine entstehen, spielen Schaumweine die erste Geige. Saumur ist die größte Schaumwein-Appellation außerhalb der Champagne. Auch sie werden vor allem aus Chenin Blanc gekeltert, dürfen aber auch Chardonnay und Sauvignon Blanc enthalten. Die Reben stehen hier auf Kalktuffböden und ergeben Weine, die im Aroma an Reineclauden erinnern. Sie werden nach der traditionellen Champagnermethode hergestellt. Aufgrund des vergleichsweise begrenzten Hefekontaktes nach der Flaschengärung – mindestens neun Monate sind vorgeschrieben – besitzen sie selten eine große Finesse und einen ausgeprägt autolytischen, das heißt vom Hefekontakt geprägten Charakter mit den typischen Toast- und Bisquitnoten.

Die Weinbaugebiete Vouvray und Montlouis (die generell leichtere Version eines Vouvray) bringen auf ihren leichten Kalksteinböden zurückhaltende, manchmal verschlossene, meist weniger reiche, intensive und kraftvolle Weine hervor. Aber sie sind auf unverwechselbare Art einmalig köstlich und – egal ob trocken oder süß – mit großem Alterungspotenzial ausgestattet. Sehr freundlich und erfrischend präsentiert sich der halbtrockene Vouvray, der sowohl zu frischem Flussfisch mit Butter- oder Zitronensauce glänzend passt, aber auch wunderbar als Aperitif genossen werden kann.

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