Roussillon – eine Reise zu extremen Landschaften und ihren Weinen

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Roussillon ist eine der faszinierendsten Naturlandschaften Europas. Vielfalt und Gegensätze bestimmen die Szenerie: Von den Sandstränden und Badeorten am Golfe du Lion bis zum Gipfel des 2784 Meter hohen Canigou sind es gerade mal 55 Kilometer. In dem Landstrich dazwischen kunden alte Bergstädte und Burgen von einer Vergangenheit, in der die Gegend heiß umstrittenes Grenzland war.

Es handelt sich um den südlichsten Teil Frankreichs und entspricht ungefähr dem Département Pyrénées-Orientales, doch im Herzen eines echten Roussillonnais lebt immer noch das Katalanische. Der Dialekt, die Küche und auch die Praktiken im Weinbau erinnern noch heute stark an das Leben der Katalanen jenseits der Pyrenäen und den spanischen Einfluss, insbesondere aus der Zeit zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert, als das Roussillon zunächst von Mallorca und dann von Aragón aus regiert wurde.

Historisch bekannt und bedeutsam ist das Roussillon allein wegen seiner kräftigen, natursüßen und mit Alkohol angereicherten Rotweine, der Vins Doux Naturels. Doch die Vorlieben der Konsumenten sind heute andere und so entstehen mittlerweile immer mehr rote Tischweine – und immer interessantere.

Während die Weine aus den südlicheren Talregionen – mit Ausnahme der Terrassenweine von Les Aspres – immer noch überwiegend einfache, meist angenehm zu trinkende, säurearme Tropfen sind, kommen die besten Gewächse mehrheitlich aus der im Norden gelegenen, hügeligen Appellation Côtes du Roussillon Villages. Wie in nur wenigen anderen Weinbaugebieten finden sich in diesem Teilabschnitt auf engstem Raum eine Vielzahl an Lagen und Mikroklimata. In den privilegiertesten Standorten stehen die Rebanlagen an kargen, steinigen Hängen, die in östliche oder südöstliche Richtung dem Mittelmeer zugewandt sind. Kargheit der Böden und ein erstaunlich hohes durchschnittliches Alter der Rebstöcke halten die Erträge niedrig und die geschmackliche Konzentration in jeder einzelnen Traube hoch.

Die Rotweine von hier präsentieren sich in tiefem, meist undurchdringlichen Rubin- bis Purpurrot und bieten ein betörendes Aromenspektrum von reifen Pflaumen, prallen Kirschen, Unterholz, gelegentlich ein wenig Minze und süßlich-orientalischen Gewürzen, Lakritz und Olive. Die Besten kommen aus vier ausgewiesenen Subzonen: Caramany, Latour-de-France, Tautavel und Lesquerde. Hier sind die tiefer gelegenen Schichten des Bodens aus der Primärzeit durch Erosion freigelegt. Damit stehen die Rebanlagen auf äußerst kargen, weniger tiefen Böden, die direkt aus der Zersetzung der hier liegenden Felsen stammen. Diese Böden sind äußerst günstig für den Rebbau und die Produktion hochwertiger Gewächse.

Die Weine, die – wie in Latour-de-France – auf Schiefer wachsen, zeigen vor allem in ihrer Jugend generösen Charme und eine ungeheuer intensive Fruchtigkeit, während die Gewächse vom Kalkmergel, wie sie in den Rebanlagen von Tautavel entstehen, zunächst sehr verschlossen wirken und einige Jahre benötigen, bevor sie ihren feinsten Ausdruck finden. Dann allerdings offenbaren sie  Tiefe und eine so wundervolle Balance zwischen Kraft, Frische und Finesse, dass man zurecht das Gefühl hat, einem ganz besonderen Wein zu begegnen.

Roter Roussillon benötigt kraftvolle Gerichte als Begleiter und macht natürlich am meisten Spaß, wenn man ihn vor Ort in einem der kleinen Bergdörfer zu deftig gewürzten Fleischgerichten, zu Grilladen oder zu Wild- und Schmorbraten genießt.

Empfehlenswerte Produzenten, die man bis auf wenige Ausnahmen alle nach telefonischer Voranmeldung vor Ort besuchen kann, gibt es jede Menge: Domaine des Schistes, Domaine le Roc des Anges, Domaine Pouderoux, Domaine Fontanel, Domaine de l‘Edre, Domaine des Chênes, Domaine Gauby, Domaine Mas Amiel, Nivet-Galinier, Domaine de Casenove, Domaine Cazes, Domaine du Clos des Fées, Domaine Gardiés, Domaine Mas Blanc, Domaine Sarda-Malet

Ihre Meinung ist uns wichtig

*