Weine von der Blauen Küste

Bandol2Wer diesen Sommer an der Côte d’Azur, dem „Vorraum zum Paradies“ (Cees Nooteboom) oder in der nahe gelegenen Provence Urlaub macht, sollte nicht versäumen, einen Kurztrip zu den Weinen von Bandol einzuplanen.

Dieses Kleinod unweit der Mittelmeerküste zwischen Toulon und Marseille ist ein noch weitgehend unbekannter Stern am internationalen Rotweinhimmel. Selten findet man hierzulande eines dieser ungemein faszinierenden Bandol-Gewächse im Sortiment eines Fachhändlers, ganz zu schweigen von den Regalen der Supermärkte.

Alles Gründe, diese  Weine in ihrem landschaftlich reizvollen Ursprungsgebiet zu entdecken. Wenn tagsüber die Sonne erbarmungslos brennt, ist die beste Zeit, dem Trubel in den Küstenorten für ein paar Stunden zu entfliehen und in den umliegenden Hügeln Ruhe und Erfrischung zu suchen.  Denn hier und nicht in Bandol selbst befinden sich die Rebflächen der Appellation. Zu den Weinorten im Hinterland zählen die reizenden mittelalterlichen Bergstädtchen Le Castellet und La Cadiere d’Azur sowie der Marktflecken Le Beausset. Mit ein klein wenig Kondition lassen sich die Weinberge und Winzerbetriebe sogar mit dem Fahrrad auf pittoresken Nebenstraßen erkunden. Dann gelingt es am besten, in die Schönheit der Natur einzutauchen, sie zu spüren, zu riechen und in aller Stille anzuschauen. Man kommt vorbei an tausenden kleiner Parzellen, die sich entlang der Hügel auf durch Trockenmauern gestützten Terrassen hinziehen. Restanques nennen die Einheimischen diese dem steinigen Grund abgerungenen Flecken, auf denen außer Reben auch Olivenbäume, Aleppo-Kiefern, immergrüne Eichen und alle möglichen würzigen Kräuter gedeihen.

Ein guter Bandol – wie zum Beispiel der von Château de Pibarnon – präsentiert sich üppig konzentriert, mit großer Geschmackstiefe und einem bemerkenswerten Alterungspotenzial. In ihrer Jugend beeindrucken diese Weine durch Aromen dunkler Beerenfrucht mit Nuancen frischer Kräuter, vor allem Thymian und Rosmarin, und Anklängen von Fleisch und Leder. Am Gaumen strotzen sie nur so vor unbändiger Kraft und rassigen Tanninen, nur der Säuregehalt ist vergleichsweise niedrig. Nach ein paar Jahren Flaschenreife, die zumindest den besten Weinen des Gebietes gut tun, finden sich Noten von Bergamotte (Zitrusfrucht), Wacholder, Trüffel, Kakao, Trockenfrüchten und Tabak.

Seine außergewöhnliche Klasse zeigt ein Bandol meist erst zu üppigen, geschmacksintensiven Gerichten wie zum Beispiel Wildbraten, Wildgeflügel, Schmorfleisch, Ente, Taube und zu gebratenem Gemüse. Der renommierteste Erzeuger im Gebiet ist das Château de Pibarnon, aber noch viele weitere Betriebe sind empfehlenswert: Château Pradeaux, Château Jean-Pierre Gaussen, Domaine de la Tour de Bon, Domaine Ray Jane, Domaine Terrebrune, Château la Rouvière, Domaine Tempier, Château Vannières, Domaine Lafran-Veyrolles, Domaine de la Vivonne.

Kommentare

  1. W. Freischläger meint:

    Interessante und nützliche Info. Vielen Dank!

    Gruß
    Werner Freischläger

Ihre Meinung ist uns wichtig

*