Terroirwein – Mythos oder Wirklichkeit?

Terroir_Rioja (1 von 1)Terroirweine sind anspruchsvolle Konstrukte, echte Raritäten im Meer sauber vinifizierter, aber heimat- und identitätsloser Weltweine. Aber ein Wein ist noch längst kein Terroirwein, bloß weil er eine rauchige Schiefer- oder eine salzige Kalknote aufweist. Sie entstehen weder naturwüchsig noch überall, sondern kristallisieren sich oft erst über Jahrzehnte durch die fortwährende Auseinandersetzung des Winzers mit einem besonders markanten Weinberg heraus. Nur wer das einmalige Zusammenspiel von Klima, Geografie, Geologie und Rebstock kennt und achtet, wird alle Arbeiten in Weinberg und Keller so natürlich und schonend gestalten, dass ein Terroirwein – als authentischer Ausdruck einmaliger Entstehungskontexte – geboren wird. Wohl dem, der solche Leistungen am Gaumen sensorisch nachvollziehen kann!

„Es gibt wohl kaum einen Begriff in der Welt des Weines, der so oft gebraucht und missverstanden wird wie ‚Terroir‘. Seit 2010 gibt es zwar eine offizielle Definition, trotzdem bleibt Terroir ein leerer Begriff, ein unklares Konzept. Er ist deshalb leer und das Konzept unklar, weil die Art der Interaktion zwischen Mensch, Ort und Ökosystem nicht definiert wird. Wie der Mensch mit einem Ort und dessen Ökosystem interagiert, ob er einen ausbeuterisch-vernichtenden oder einen nachhaltig-schöpferischen Zugang hat, das ist entscheidend. Während der ausbeuterische Zugang darauf zielt, Ort und Ökosystem zu unterwerfen, sie zu standardisieren, will der schöpferische Zugang diese zum Ausdruck bringen, sie emanzipieren. Ob ich erkennen kann wer, wo und wie jemand den Wein ‚emanzipiert‘ hat, sei dahingestellt, ein standardisierter Wein weckt in mir jedoch gar nicht erst diese Frage und bleibt damit langweilig und uninteressant.“
(Elisabetta Foradori, Winzerin im Trentino)

Ihre Meinung ist uns wichtig

*