Sangiovese

OLYMPUS DIGITAL CAMERASo verbreitet die Sorte in ganz Mittelitalien auch immer ist, einen typischen Sangiovese zu beschreiben, ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Die vor allem in der Toskana sehr beliebte Varietät tritt in unendlich vielen stilistischen Gewändern auf. Meist sind es Weine von herbem, rustikalem Charme, denen von Natur aus eine gewisse Strenge und Kargheit eigen ist. In Blindverkostungen sind sie leicht an ihrer wilden und ungestümen Aromatik mit Noten bitterer Kirschen und Veilchen, herben Kräuter- und Teenoten zu erkennen.
Am Gaumen präsentieren sie sich meist mit reichlich Säure und Tannin und einem mittleren bis kräftigen Körper. Früher ging mit diesen sensorischen Merkmalen meist eine raue, uncharmante Textur einher, die nur mit etwas Essbarem gezähmt werden konnte. Heute präsentieren sich die Weine runder und dichter, das Mundgefühl ist feiner und generöser geworden. Es sind keine ganz einfachen Weine, dafür aber sehr individuell, mit nichts in der Welt vergleichbar und deshalb allemal eine Versuchung wert. Manche Erzeuger versuchen die natürliche Wildheit ihrer Sangiovese-Weine durch den Einsatz neuer Barriques oder die Beimischung anderer Sorten zu bändigen. Manchmal schießen solche Maßnahmen über das Ziel hinaus und nehmen dem Sangiovese seine ureigene Identität.

Wie auch immer, im Top-Segment sind die Resultate nicht selten spektakulär. Die besten Brunello di Montalcino (Biondi Santi, Poggio di Soto, Costanti, Talenti), Vino Nobile di Montepulciano (Avignonesi, Poliziano, Dei), Chianti Classico (Badia a Coltibuono, Castello di Ama, Felsina, Fontodi, Isole e Olena, Querciabella) und divers Autorenweine (Tignanello, Flaccianello, Fontalloro) zählen zu den feinsten Rotweinen weltweit. Im Segment darunter hat es in den vergangenen Jahren enorme Verbesserungen gegeben, so dass einfacher Chianti und Sangiovese di Romagna wunderbare Einstiege in die Welt des Sangiovese sind.
Außerhalb Italiens spielt die Sorte bestenfalls unscheinbare Nebenrollen. Italienische Auswanderer haben sie mit einigem Erfolg in Argentinien (Norton, Tittarelli), Australien (Ravensworth, Pizzini family) und Kalifornien (Shafer, Seghesio) gepflanzt.
Wie die meisten anderen italienischen Rebsorten fühlen sich auch Sangiovese-Weine am behaglichsten, wenn sie von etwas Essbarem begleitet werden. Das gilt vor allem für Brunello, den vitalsten und langlebigsten seiner Gattung. Ideale Begleiter sind kräftige Wild- und Rindfleischgerichte, Gegrilltes, Pasta und alter Pecorino.

Empfehlenswerte Herkünfte:
Chianti Classico, Vino Nobile und Rosso di Montepulciano, Brunello di Montalcino, Carmignano, Torgiano, Rosso Piceno.

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